„Heute mal (k)eine Vorlesung“: Studium im Motivationstief? Wie Du wieder ins Hoch kommst.

Hausarbeit: aufgeschoben. Klausur: verhauen. Vorlesung: verpasst. Motivation: im Keller. Studium: bye-bye? 17 Prozent der Studierenden beenden ihr Studium aufgrund mangelnder Studienmotivation. Das ging aus dem DZHW-Bericht Zwischen Studienerwartung und Studienwirklichkeit von 2017 hervor. Was kannst Du tun, wenn sich die Unlust auf Deine Studienleistungen auswirkt? shift geht dem Motivationstief und -hoch auf die Spur und gibt erste Tipps.

 

Wieso studiere ich?

Wenn wir studieren, dann tun wir das aus bestimmten Gründen: Etwas treibt uns. Wir haben ein bestimmtes Motiv! Diese Motive haben im Laufe der Semester einen nicht unerheblichen Einfluss darauf, wie engagiert Du Dein Studium angehst und mit aufkommenden Problemen umgehst.

 

Motivation von außen vs. Motivation von innen

Studienmotivation ist nichts anderes, als in irgendeiner Form Interesse daran zu haben, den Lernstoff aufzunehmen und dafür eventuelle Hindernisse aus dem Weg zu räumen. Für manche Fächer lernst Du gerne, weil Dich der Stoff begeistert. Deine Motivation ist in dem Fall intrinsisch, denn Du führst die Handlung – ­das Studieren und Lernen – um ihrer selbst willen aus. Intrinsisch motivierte Menschen verfallen leichter in sogenannte Lern- und Schreib-„Flows“.

Häufig ist aber auch ein externer Faktor als Antrieb für das Lernen aktiv. In dem Fall bist Du extrinsisch motiviert. Die extrinsische Motivation spiegelt die Nutzenkomponente Deines Studiums wider – das erwartete Ergebnis setzt die Anreize zu Deiner Handlung.  Hast Du Dich aufgrund der Aussicht, im Anschluss an das Studium einen gut bezahlten Beruf ergreifen zu können, für einen bestimmten Studiengang entschieden? Motivieren Dich gute Noten? Dein Abschluss? Soziale Vergleiche?

 

Beispiele für intrinsische Motive:

  • Persönliche Begabung ausleben
  • Wunsch nach persönlicher Entfaltung
  • Wissenschaftliches Interesse
  • Fachinteresse
  • Soziales Interesse (z.B. anderen Menschen helfen)

 

Beispiele für extrinsische Motive:

  • Gute Arbeitsmarktchancen
  • Aussicht auf ein hohes Einkommen
  • Streben nach einem angesehenen Beruf
  • Ratschläge von Eltern/ Verwandten, Freund/innen /Bekannten
  • Empfehlungen von Studien- oder Berufsberater/innen

 

Voll motiviert? Oder null Bock? Dem Motivationshoch und -tief auf der Spur

Hin und wieder unmotiviert in der Vorlesung zu sitzen, ist normal. Sofern Du aber dauerhaft unmotiviert bist und Dich regelmäßig in die Hochschule und durch Hausarbeiten und Klausuren quälst, solltest Du dem Motivationstief auf den Grund gehen. Ein paar ehrlich beantwortete Fragen können Dir helfen, den Motivationsproblemen auf die Schliche zu kommen.

 

>> shift-Tipp <<

1. Mache den Motivationstief-Check. Stelle Dir dabei folgende Fragen:

Taucht das Motivationstief vorübergehend auf oder ist es ständig vorhanden? Was sind die mutmaßlichen Ursachen meines Motivationsproblems?

Mögliche Gründe für fehlende Studienmotivation können sein:

  • Falsche Erwartungen: Deine Vorstellungen von den Studieninhalten erweisen sich als unrealistisch und erfüllen nicht Deine Erwartungen an das Studium. Deine Fähigkeiten, Fertigkeiten, Interessen und Werte passen nicht zum Studienfach.
  • Fehlende Zukunftsvision: Du identifizierst Dich nicht mit dem Fach und hast keinen konkreten (Berufs)wunsch als Ziel des Studiums vor Augen. Eventuell verfolgst Du mit dem Studium unklare oder widersprüchliche Ziele.
  • Veränderung der Interessen und Rahmenbedingungen: Deine Interessen und Rahmenbedingungen haben sich im Verlauf des Studiums verändert.
  • Mehr Praxis, weniger Wissenschaft: Du hast festgestellt, dass Du lieber praxisorientiert und weniger theoretisch oder wissenschaftlich orientiert studieren möchtest.
  • Veränderte Perspektiven: Die Chancen auf dem Arbeitsmarkt haben sich geändert – beziehungsweise Du bewertest sie anders.
  • Leistungsprobleme: Der Leistungsdruck ist Dir zu hoch.
  • Fehlende Techniken: Dir fehlen grundlegende Studiertechniken oder Du wendest ungeeignete Techniken an.
  • Externe emotionale Belastung: Du bist durch familiäre und private Verpflichtungen stark gestresst.

 

2. Mache den Motivationshoch-Check. Überlege Dir:

  • Deine Studienmotive: Woher schöpfst Du Deine Motivation? Was treibt Dich an, zu studieren – und was nicht? Mache Dir Deine intrinsischen und extrinsischen Motive zum Studium im Allgemeinen und zum jeweiligen Fach klar. Decke dabei Widersprüche auf.
  • Deine Erwartungen und Ziele: Die Frage nach Deinen Studienmotiven ist natürlich eng verknüpft mit Deinen persönlichen Erwartungen und Zielen, aber auch Werten und Lebensvorstellungen. Hier gilt es immer wieder, auszutarieren, wohin Deine Reise gehen soll. Frage Dich: Was ist Dein persönliches Ziel? Und: Ist es auch wirklich Dein eigenes Ziel? Visualisiere es und bringe positive Gefühle mit diesem Ziel und den damit verbundenen Aufgaben in Verbindung.
  • Dein Rüstzeug: Ziele und Motive sind Dir klar. Nun schaue Dir an, mit welchem Rüstzeug Du Dein Studium angehst. Was sind Deine Interessen, Fähigkeiten, Fertigkeiten? Sei dabei ehrlich mit Dir selbst. Frage Dich regelmäßig: Welche Techniken fehlen Dir noch, um Dein Studium zu meistern und Deine Ziele zu erreichen? Welche Fertigkeiten musst Du Dir noch aneignen? Ganz wichtig: Belohne Dich immer wieder für Deine Teilerfolge!
  • Deine Rahmenbedingungen: Hast Du Dich schon einmal gefragt, unter welchen Rahmenbedingungen Du besonders motiviert arbeitest? Welche Gründe, Dinge oder gar Menschen lassen Dich arbeiten, dass Du darüber die Zeit vergisst? Liste alles auf, was Dir einfällt – und mache Dich daran, Deine Umgebung danach zu gestalten!

 

Beratungsstellen an den Hamburger Hochschulen: Hier wird Dir geholfen!

Du findest alleine keinen Weg aus dem Motivationsloch? Das musst Du auch gar nicht. An den Hochschulen findest Du professionellen Beistand. Nutze ihn! Wertvolle Hilfe liefern zum Beispiel:

Schau Dir auch unbedingt das Angebot des Career Center und des Schreibzentrums an Deiner Hochschule an. Häufig bieten diese Dir spannende Workshops und Info-Veranstaltungen zu den Themen Motivation, Motivationstechniken, Studienmanagement oder Prokrastination.

 

Geheimtipp: das Weekly Write-In an der Uni Hamburg

Gemeinsam sind wir (schreib)stark! Ein Geheimtipp für Studierende im Motivationsloch ist das Weekly Write-in der Uni Hamburg für alle, die einen ruhigen Schreibraum suchen und sich motivierende Schreibgewohnheiten angewöhnen wollen. Wenn Dich das Thema „Aufschieben“ besonders beschäftigt, empfehlen wir Dir auch das shift-Interview „Ein Satz ist besser als kein Satz“ mit Bettina Niebuhr, Leiterin der Schreibwerkstatt der Uni Hamburg.

 

Studierst du gesund? – Erste Hilfe bei psychischen Problemen im Studium

 

Viele Studierende erleben während ihres Studiums schwierige persönliche Lebensphasen, manchmal sogar akute Belastungs- und Krisensituationen. Nicht immer können sie diese aus eigener Kraft überwinden. Müssen sie auch nicht. Wir stellen die wichtigsten Beratungseinrichtungen an den Hamburger Hochschulen vor, die Studierende bei psychischen Problemen aufsuchen können. Außerdem: Tools und Apps zur schnellen ersten Hilfe.

 

Umbruchsphase Studium

Andere Umgebung, neue Leute, höhere Leistungsstandards: Mit dem Studium beginnt für viele junge Menschen ein aufregender Lebensabschnitt. Täglich wirst du mit deinen Stärken, aber auch mit deinen Schwächen konfrontiert. Für viele Studierende ist dieser neue Alltag voller Anregungen. Für viele Studierende aber auch: einfach alles zu viel. Bei ihnen führt der neue Status zu Stress, Überforderung und Verunsicherung.  Gesellen sich zu den „normalen“ Stresssituationen auch noch Zeit- und Leistungsdruck, finanzielle Sorgen oder Zukunftsängste, kann man schon einmal in ein Loch fallen.

 

Kein Einzelfall: Jeder vierte Studierende klagt über hohes Stresserleben

Studierenden mit psychischen Problemen fällt es oft schwer, darüber zu sprechen. Dabei sind sie nicht alleine! Jeder vierte Studierende klagt über ein hohes Stresserleben und Erschöpfung – mögliche Vorboten eines Burnouts. Insbesondere weibliche Studierende fühlen sich belastet: So gibt jede fünfte Studentin an, unter den Symptomen einer sogenannten generalisierten Angststörung zu leiden und jede sechste hat Anzeichen eines depressiven Syndroms. Dies ergab eine Studie zur Gesundheit Studierender, die 2017 in Kooperation des DZHW mit der Freien Universität Berlin und der Techniker Krankenkasse entstand.

 

Hochschulberatung:  Einfach hingehen!

Wenn diese Probleme über einen längeren Zeitraum bestehen bleiben, verschlechtert sich auch die Studienleistung. Wie kann verhindert werden, dass sich aus einer psychischen Belastungssituation eine psychische Erkrankung entwickelt? An den Hamburger Hochschulen existieren zahlreiche Präventionsprogramme und Hilfen für Studierende. Allen voran: die Studienberatung und psychologische Beratung. Das Gute an diesen Beratungsstellen: Wer hingeht, kommt im Grunde mit einem Lebensproblem und muss sich nicht zwangsläufig durch eine Krankheits-Störung outen. Das macht den Zugang zur Beratung an der Hochschule leichter als in einer Arztpraxis. Weiterer Pluspunkt: Die Arbeit dieser Beratungsstellen ist  auf die studentische Lebensrealität zugeschnitten.

 

Jedes Problem ist groß genug

Die Gründe, Studienberatung aufzusuchen, sind vielfältig. Typische Probleme Studierender sind zum Beispiel:

  • Arbeits- und Leistungskrisen
  • Lern- und Konzentrationsschwierigkeiten
  • Prüfungsangst
  • Probleme mit der Arbeitsorganisation und dem Zeitmanagement
  • Identitätskrisen
  • Selbstwertzweifel
  • depressive Verstimmungen

 

#Shift-Tipp: Einfach hingehen! Auch schon, wenn es „nur ein bisschen zwickt“. Häufig neigen Menschen dazu, Probleme „mit sich selbst auszumachen“. Dabei kann bereits der Blick von außen helfen und die Erkenntnis, dass du nicht die einzige Person bist, die sich mit psychischen Problemen herumschlagen muss. Du hast große Hemmungen, persönlich vorbeizuschauen? Dann nimm per E-Mail Kontakt zu den Berater/innen auf.

 

Überblick: Hier wird dir geholfen!

 

  1. HILFE INNERHALB DER HOCHSCHULE:

Universität Hamburg:

Hochschule für Angewandte Wissenschaften:

HafenCity Universität Hamburg:

Technische Universität Hamburg (TUHH):

Studierendenwerk Hamburg:

AStA:

Studentische TelefonSeelsorge:

  • Die STUTS ist täglich von 20 bis 24 Uhr erreichbar unter (040) 411 70 411.

 

  1. HILFE AUSSERHALB DER HOCHSCHULE

Verzeichnis aller psychotherapeutischen Angebote in Hamburg:

Ärztlicher Notfalldienst Hamburg

 

  1. HILFE IM NETZ (TOOLS UND APPS)

StudiCare:

  • StudiCare“, das Online-Tool zur Selbsthilfe bietet direkt auf Studierende zugeschnittene, kostenlose Trainings zur Stressbewältigung an.

Dein Masterplan:

  • Das Portal „Dein Masterplan“ bietet Studierenden eine persönliche, kostenlose Online-Beratung und ein interaktives Training zur Bewältigung von Ängsten, Blockaden oder Motivationsproblemen im Studium.

shift-Kreativworkshop für Studienzweifler/innen am 22. November 2019

Komm zum shift-Kreativworkshop für Studierende, Studienzweifler/innen, Studienaussteiger/innen und Umsteiger/innen!

 

Nur Mut

Beantworte Dir kreativ und mit Spaß die Frage, wo es mit Dir und Deinem Studium hingehen soll.

 

Besser als gute Vorsätze

Durchziehen, aussteigen oder umsteigen? Studium oder Ausbildung? Finde heraus, welcher Weg für dich der richtige ist.

 

Das hast Du davon:

>> Austauschen: Du triffst Menschen, denen es ähnlich geht wie Dir.

>> Kreative Lösungen: Du lernst Kreativtechniken, die Dich auf neue Gedanken bringen und Dir helfen Entscheidungen zu treffen.

>> Ideen entwickeln: Gemeinsam entwickelt Ihr Lösungsschritte und Ideen für Euch.

>> Spaß haben: Endlich mal nicht grübeln, sondern machen!

 

Bitte beachte:

Die shift-Kreativ-Workshops beinhalten keine fachliche und psychologische Beratung. In einer akuten Krise unterstützen Dich die Beratungsstellen Deiner Hochschule oder des Studierendenwerks Hamburg (Adressen findest Du HIER)

 

Die Termine – wähle Deinen Workshop:

Fr 12.7.19 __ 11-17 Uhr // dock europe e.V. (Frappant Altona)

Do 22.8.19 __ 11-17 Uhr // dock europe e.V.

Fr 27.9.19 __ 11-17 Uhr // dock europe e.V.

Fr 22.11.19 __ 11-17 Uhr // dock europe e.V.

Fr 29.11.19 __ 11-17 Uhr // dock europe e.V.

 

So machst Du mit:

Sende uns eine Mail mit deinem Wunschtermin und einem Ausweichtermin an info@shift-hamburg.de.

shift-Kreativworkshop für Studienzweifler/innen am 29. November 2019

Komm zum shift-Kreativworkshop für Studierende, Studienzweifler/innen, Studienaussteiger/innen und Umsteiger/innen!

 

Nur Mut

Beantworte Dir kreativ und mit Spaß die Frage, wo es mit Dir und Deinem Studium hingehen soll.

 

Besser als gute Vorsätze

Durchziehen, aussteigen oder umsteigen? Studium oder Ausbildung? Finde heraus, welcher Weg für dich der richtige ist.

 

Das hast Du davon:

>> Austauschen: Du triffst Menschen, denen es ähnlich geht wie Dir.

>> Kreative Lösungen: Du lernst Kreativtechniken, die Dich auf neue Gedanken bringen und Dir helfen Entscheidungen zu treffen.

>> Ideen entwickeln: Gemeinsam entwickelt Ihr Lösungsschritte und Ideen für Euch.

>> Spaß haben: Endlich mal nicht grübeln, sondern machen!

 

Bitte beachte:

Die shift-Kreativ-Workshops beinhalten keine fachliche und psychologische Beratung. In einer akuten Krise unterstützen Dich die Beratungsstellen Deiner Hochschule oder des Studierendenwerks Hamburg (Adressen findest Du HIER)

 

Die Termine – wähle Deinen Workshop:

Fr 12.7.19 __ 11-17 Uhr // dock europe e.V. (Frappant Altona)

Do 22.8.19 __ 11-17 Uhr // dock europe e.V.

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Fr 22.11.19 __ 11-17 Uhr // dock europe e.V.

Fr 29.11.19 __ 11-17 Uhr // dock europe e.V.

 

So machst Du mit:

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Money, Money, Money – wenn Geldsorgen zu Studienzweifeln führen

Geld macht nicht glücklich, es beruhigt nur die Nerven. So sang es der großartige Rio Reiser vor fast 30 Jahren. Stimmt aber heute noch: Mehr als jeder zehnte Studierende (11 Prozent) steigt aufgrund finanzieller Probleme aus dem Studium aus. Ob es wirklich keine Alternative zum Studienausstieg gibt? Lass dich unbedingt zu finanziellen Fördermöglichkeiten beraten, bevor du eine Entscheidung triffst! Zum Beispiel beim Studierendenwerk Hamburg, Partner in unserem shift-Netzwerk.

 

BAföG – kommt nicht in Frage? Frag lieber nach!

Nach Angaben des Deutschen Studentenwerks wissen viele Studierende gar nicht, dass auch sie finanzielle Unterstützung nach dem Bundesausbildungsförderungsgesetz – kurz BAföG – in Anspruch nehmen könnten. Denn BAföG gibt es nicht nur als Finanzierungshilfe zum Höchstsatz. Je nach Einkommensverhältnissen kannst du auch eine Teilförderung erhalten. Das traf 2016 immerhin auf knapp 60 Prozent der Studierenden zu, so das Deutsche Studentenwerk.

shift-Tipp:

  • Du weißt nicht, ob du BAföG bekommen kannst? Lass dich beim Studierendenwerk Hamburg beraten. Dort findest du auch erste Informationen.

 

 

Stipendien können helfen

Abgesehen vom BAföG bestehen noch weitere Möglichkeiten, finanzielle Unterstützung fürs Studium zu erhalten oder Engpässe im Studium zu überbrücken. Dazu gehören etwa Stipendien. Davon gibt es viele. Manche Stipendiengeber fördern mit Geld, andere mit Sachmitteln und wieder andere unterstützen Studierende in bestimmten Phasen ihres Studiums (zum Beispiel während des Examens oder Diploms). Stipendien für Studierende vergeben alle parteinahen Stiftungen, gewerkschaftsnahe Stiftungen sowie konfessionell gebundene Stiftungen. Außerdem vergeben auch Verbände, Wirtschaftsunternehmen und sogar Privatpersonen Stipendien. Die größte staatliche Stiftung im Bereich Begabtenförderung ist die Studienstiftung des Deutschen Volkes.

shift-Tipp:

  • Eine übersichtliche Vorauswahl der 13 größten Förderwerke findest du auch auf dem Portal ArbeiterKind.de.
  • Einen Überblick über die gesamte Stiftungs- und Stipendienlandschaft kannst du dir auf Infoportalen verschaffen. Unbedingt die voreingestellten Suchkriterien und per Freitextsuche mit Stichwörtern wie „Studium“, „Stipendium“ und der gewünschten Fachrichtung weiter eingrenzen.

 

 

Studienkredite und Bildungsfonds

Auch besondere Kreditmodelle für Studierende können dir dabei helfen, dein Studium weiterzuführen oder abzuschließen. Dazu gehören zum Beispiel Bildungsfonds: Private und institutionelle Investoren zahlen in einen Fonds ein, aus dem dann Studierende finanziert werden – vorausgesetzt, sie bestehen ein Bewerbungsverfahren. Zu den staatlichen Förderprogrammen gehört der Bildungskredit. Auch die staatliche KfW-Bank gewährt besondere Kredite für Studierende.

shift-Tipp:

Schön und gut – aber wie finde ich jetzt das Passende für mich? Keine Sorge: Das Studierendenwerk Hamburg kennt alle Optionen und berät dich dazu.

Und außerdem …

Unabhängig von speziell für Studierende gedachte finanzielle Unterstützung bzw. Studienfinanzierungsmodelle auf Darlehensbasis stehen dir als Studierende/r unter Umständen auch Leistungen wie Kindergeld, Wohngeld und Sozialleistungen zu – etwa, wenn das BAföG nicht reicht. Für Studierende in besonderen Lebenslagen (Studieren mit Kind, Studieren mit Behinderung/chronischer Erkrankung, Studierende aus dem Ausland) gibt es ebenfalls besondere finanzielle Unterstützung.

shift-Tipp:

 

 

Zeit für Orientierung – Tipps zum Ausbildungsstart und Semesterbeginn

Jetzt geht’s los: Spätestens im September beginnt das neue Ausbildungsjahr. Für shifter/innen in Ausbildungsberufe ergeben sich in dieser Zeit oft Fragen etwa zu Arbeitszeiten, Überstundenregelungen oder zur Berufsschule. Aber auch das nächste Semester an den Hochschulen lässt nur noch wenige Wochen auf sich warten. Wer unglücklich studiert, schlägt sich womöglich mit der Frage herum, wie es weitergehen soll. Wir haben ein paar Tipps und Antworten.

1. Ausbildungsstart: so klappt’s

Neue Leute, neues Umfeld, neuer Tagesablauf und sehr viel, was man noch nicht weiß: Ein bisschen ist es bei Ausbildungsbeginn wie zum Studienstart. Und doch auch noch mal ganz anders. Zu spät kommen etwa tut in der Vorlesung nicht so weh, geht in der Ausbildung aber gar nicht.

Guter Umgang gefragt

Es klingt vielleicht altbacken – aber mit klassischen Tugenden wie Höflichkeit, Freundlichkeit und eben auch Pünktlichkeit läuft es in der Ausbildung glatt. Expertinnen und Experten raten durch die Bank außerdem dazu, die Neugier und das Interesse am Beruf auch zu zeigen: aufmerksam zuhören, Fragen stellen und Notizen machen signalisiert den Ausbildenden, dass ihre Arbeit ankommt. Wo Teamwork gefragt ist, solltest du dich kollegial einbringen. Und dich von firmeninternem Klatsch unbedingt fernhalten.

Gut informiert

Einen guten Eindruck zu machen bedeutet natürlich nicht, dass du nicht auch auf Probleme hinweisen oder reagieren darfst. Auch in der Ausbildung können Dinge schieflaufen. Dann hilft es zu wissen, welche Pflichten, aber auch Rechte du hast. Die Handelskammer, Handwerkskammer sowie zuständige Innungen und Gewerkschaften bieten dazu umfangreiche Informationen an.

Gut beraten

Wie überall kann es auch in der Ausbildung zu größeren Konflikten kommen. Vielleicht gewinnst du den Eindruck, dass dir nicht das nötige Wissen beigebracht wird, um deine Ausbildung erfolgreich abzuschließen. Oder es gibt persönliche Reibereien. Als erster Schritt ist das direkte Gespräch mit den Ausbildenden immer sinnvoll. Gibt es einen Betriebsrat, kann es sinnvoll sein, wenn du dich dort auch informierst und beraten lässt. Zudem unterstützen Handelskammer und Handwerkskammer mit eigenen Beratungsangeboten dabei, Ausbildungsbetriebe, Ausbilder und Auszubildende dabei, Konflikte konstruktiv zu lösen.

 

2. Semesterbeginn: Should I stay or should I go?

Studien zeigen: Fast die Hälfte der Studierenden schlägt sich früher oder später mit der Frage herum, ob sie mit ihrem Studium weitermachen sollen. Es ist also ganz normal, ab und zu Zweifel zu haben. Wenn Du allerdings schon länger haderst, im letzten Semester nur noch sporadisch an Seminaren teilgenommen hast oder zunehmend keine Motivation verspürst, Hausarbeiten in Angriff zu nehmen, ist jetzt ein guter Moment, deine Studienentscheidung noch einmal auf den Prüfstand zu stellen.

Diese Schritte können dir helfen, mehr Klarheit zu gewinnen:

 Reflektieren

Geh auf Spurensuche. Was war noch mal deine Motivation für dein Studium und deine Fächerwahl? Woran liegt es, dass dir die Freude am Studieren abhandenkommt? Entspricht das Studium deinen Erwartungen? Zweifel am Studieren liegen mitunter nicht nur im Fach, der Studienorganisation oder dem System Hochschule an sich begründet. Womöglich hat sich auch deine Lebenssituation geändert. Oder dein Wunsch ans Berufsleben. Befrag dich selbst – und auch Freunde, Freundinnen und Familie, wie sie dich und deine Talente sehen.

Beratung nutzen

Es hilft, schwierige Themen und Entscheidungen nicht nur mit sich allein zu drehen und zu wenden. Alle Hochschulen bieten Beratung für ihre Studierenden an. Dazu gehören neben ganz handfesten Informationen über Studiengänge auch Beratungsangebote rund um Themen wie Finanzierung des Studiums und Unterstützung in Krisen und eben auch bei Studienzweifeln. Dabei kannst du auch ausloten, ob womöglich ein Studienfachwechsel oder der Wechsel an eine andere Hochschule für dich in Frage kommen. Die Beratungsangebote sind kostenlos.

Erste Hinweise, zu welchen Themen dir eine Beratung in Sachen Studienzweifel helfen könnte, findest du mit dem shift-Wegweiser.

Und hier findest du eine Übersicht über die Beratungsstellen an Hamburger Hochschulen.

 

 

>>> Informieren und ausprobieren <<<

Ob nun Studienfachwechsel, Hochschulwechsel oder tatsächlich in eine Ausbildung wechseln – je besser du informiert bist, umso tragfähiger wird deine Entscheidung sein. Informationen zu Ausbildungsberufen findest du nicht nur im Internet. Die Handwerkskammer Hamburg, die Handelskammer Hamburg sowie die Agentur für Arbeit bieten persönliche Beratungen zu Ausbildungsberufen an, auf Azubi- und Jobmessen kannst du dir ebenfalls einen guten Überblick über Berufsfelder und Berufe machen; Praktika in Betrieben und Unternehmen verschaffen dir konkrete Einblicke in den Berufsalltag.

Eine Übersicht zu den Beratungsangeboten zur Berufsorientierung findest du ebenfalls hier.

 

Übrigens: Am 18. und 19. September findet die zweitägige Mitmach-Messe „Handwerkswelten“ der Handwerkskammer Hamburg statt.

 

Vom Teufelskreis in den Engelskreis

„Es hat viele Nachteile, nicht zu prokrastinieren.“ Moment, wie bitte? Das kann sich nur um einen Versprecher handeln. Bernd Nixdorff, Diplom-Psychologe und Teamleiter Psychologische Beratung bei der Zentralen Studienberatung und psychologischen Beratung (ZSPB) der Uni Hamburg, meint es jedoch ganz ernst. Er unterstützt Studierende dabei, ihrer Lust ebenso wie ihrem Frust angesichts des ewigen Aufschiebens auf die Schliche zu kommen.

Viele Beratungsgespräche mit Bernd Nixdorff beginnen gewissermaßen mit einer Flucht nach vorn. „ ‚Ich bin hier, weil ich aufschiebe. Das nennt man ja Prokrastinieren.’ Diesen Satz höre ich im ersten Kontakt ganz oft“, berichtet der psychologische Psychotherapeut. „Und dann lächeln alle.“ Kein Wunder: „Das Thema Aufschieben kennt jeder – und jeder schiebt irgendetwas auf“, so Nixdorff. Auch in Seminaren zu Themen wie Zeit- und Selbstmanagement wird viel gelacht, wenn die Rede aufs Vor-sich-Herschieben kommt. „Lust und Frust liegen beim Prokrastinieren eng beieinander“, ist Nixdorff überzeugt. Es macht einfach mehr Spaß, ein Eis essen zu gehen statt Bücher zu wälzen oder mit Freunden an der Alster zu liegen, statt in der Stabi zu hocken. Oder eben auch, die längst überfällige Fahrradreparatur zu erledigen, statt die Versuchsreihe im Labor auszuwerten und es auf den letzten Drücker dann eben doch noch irgendwie zu schaffen.

Wenn Aufschieben zum Problem wird

Ist Prokrastinieren also gar kein Problem? Kommt drauf an, sagt Nixdorff: „Die meisten, die prokrastinieren, haben damit Erfolg und kriegen ihre Aufgaben geregelt – allerdings mit viel Stress. Aufschieben kann aber auch viel Leid schaffen: Wenn ich mein Studium deswegen nicht abschließen kann oder nicht mehr aufstehe oder die Folgen so groß sind, dass daraus Probleme erwachsen – dann ist Prokrastinieren das eigentliche Problem.“ Oft trifft es Studierende, die ihre Schulzeit trotz minimalem Aufwand sehr erfolgreich abgeschlossen haben: „Für die Schule habe ich nie was machen müssen!“ Im Umfeld der Hochschule stoßen sie dann an Grenzen. Lernkultur, Arbeitsroutinen und Arbeitsdisziplin müssen sie erstmals im Leben mühsam entwickeln. Perfekte Ergebnisse abliefern zu wollen verhindert ebenfalls, dass die längst überfällige Hausarbeit aufs Papier kommt. Wenn es blöd läuft, entwickelt sich ein Teufelskreis: „Macht das Aufschieben dauerhaft Probleme, verliert man die Motivation und kann dann schnell auch am Studium insgesamt zweifeln“, beobachtet Nixdorff.

Raus aus dem Teufelskreis

Neben der Einzelberatung helfen auch Gruppenangebote der ZSPB dabei, Prokrastinieren durch wohltuendere Verhaltensweisen zu ersetzen. In fortlaufenden Seminaren und Workshops kommen die Teilnehmenden sich gegenseitig auf die Schliche, erarbeiten gemeinsam Strategien, hinterfragen Erwartungen und Selbstbilder und trainieren konkrete Arbeitstechniken. Dazu gehört auch eine klare Trennung zwischen Arbeitszeit und Freizeit. „Studierende haben ja eigentlich nie frei, sie könnten immer noch mehr für eine Prüfung lernen oder noch eine bessere Hausarbeit schreiben“, erläutert Nixdorff das Dilemma. Häufig mischen sich die Bereiche und werden zur „Müllzeit“: Der Kopf ist weder richtig frei für Erholung noch wird ordentlich gelernt. Die Mühe, Arbeit und Freizeit zu trennen sowie sich passende Arbeitsstrategien anzutrainieren, lohnt sich. Die Studierenden erleben, dass sie sich selbst verstärken können: „Erfolgserlebnisse machen erfolgreich“, erläutert Nixdorff. „Die Lust am Studium steigt, es gelingt mehr, das Selbstbewusstsein wächst – die Studierenden wechseln sozusagen vom Teufelskreis in den Engelskreis.“

Auf Spurensuche

Mitunter ist das Thema Prokrastinieren auch der Einstieg in einen tiefergehenden Beratungsprozess. Nixdorff: „Oft ist das ständige Aufschieben in eine ganz andere Problematik eingebunden. Dann stehen hinter dem vordergründigen Prokrastinieren größere Themen wie Selbstwertkrisen, Depressionen oder andere psychische Erkrankungen oder innere Konflikte, die nicht gelöst sind.“ In diesen Fällen reicht es natürlich nicht, Arbeitsstrategien zu trainieren oder Wochenpläne zu schreiben. Darum gucken Bernd Nixdorff und seine Kolleg/innen in den ersten Gesprächen immer ganz genau auf die Menschen, die zu ihnen kommen. Mit Erfolg: „In der Regel sind die Studierenden sehr erleichtert, wenn im Gespräch bei uns zur Sprache kommen kann, was sie wirklich betrifft“, so Nixdorff. Gemeinsam mit den Betroffenen überlegt er dann, wie es weitergeht und leitet die erforderliche psychotherapeutische Hilfe ein.

Du prokrastinierst? Und findest allein keine Lösung? Nur Mut! Bernd Nixdorff hat einen Tipp für dich: „Am wichtigsten ist es: Ehrlich mit sich sein und Verantwortung übernehmen. Dazu gehört es auch, sich Unterstützung zu holen. Zwar gilt: Nur du allein schaffst es. Aber vielleicht schaffst du es nicht allein! Wir sind dafür da, Studierende zu unterstützen – und wir wünschen uns auch, dass Betroffene sich an uns wenden!“

 

 Hier geht es direkt zum Angebot der ZSPB

Goldener Boden – shiften ins Handwerk

„Wenn ich gewusst hätte, wie offen die Betriebe sind, hätte ich mich schon viel früher beworben.“ Diese Rückmeldung eines Studienaussteigers bestärkt Birgit Weinrich von der Handwerkskammer Hamburg in ihrer Arbeit. Im Rahmen des Projekts „Passgenaue Besetzung von Ausbildungsplätzen“ berät sie Studienaussteiger/innen, die es in handwerkliche Berufe zieht. Und hilft ihnen dabei, die passende Ausbildung zu finden.

Praxis statt Theorie

„Im Handwerk suchen wir händeringend gute Leute“, weiß Weinrich. Beratungsbedarf besteht dennoch. Zwar ähneln sich Weinrichs Erfahrung nach die Gründe dafür, das Studium gegen einen Handwerksberuf zu tauschen. „Eigentlich sagen alle, die zu mir kommen: ‚Das Studium ist mir zu theoretisch’“, erzählt sie. „Sie möchten etwas herstellen, die Hände benutzen, am Ende des Tages ein Produkt oder eine Dienstleistung sehen.“ Darüber, wie dieses Produkt zustande kommt, muss Weinrich mitunter deutlich aufklären. Beispiel Tischlerhandwerk: 80 bis 90 Prozent der Studienaussteigenden, die zu Weinrich in die Beratung kommen, möchten Tischer oder Tischlerin werden. Nicht alle bringen ein zutreffendes Bild vom Berufsalltag mit. „Manche kommen mit der Erwartung, dass sie als Tischler/Tischlerin schöne Biomöbel bauen. Die meisten Betriebe machen jedoch Innenausbau oder bauen Türen und Fensterrahmen ein. Möbelbau ist die Ausnahme“, erläutert Weinrich.

 

Unterschätzte Berufe entdecken

Wenn die Wunschvorstellung nicht der Realität entspricht, lohnt es sich, den Blick zu erweitern. Immerhin gibt es insgesamt 130 Ausbildungsberufe im Handwerk, die kaufmännischen Ausbildungen in den Betrieben eingerechnet. Einige Bereiche fragen Studienaussteigende stärker nach als es Ausbildungsplätze gibt. „Das gilt für alle gestalterischen Berufe wie etwa Goldschmieden, Raumausstattung oder Fotografie“, so Weinrich. Daneben existieren viele Berufe, die unterschätzt oder erst gar nicht bekannt sind. Weinrich kennt dieses Problem: „Ich weiß gar nicht, wo ich anfangen soll“, seufzt sie. Typischerweise unterschätzte oder unbekannte Berufsfelder sieht sie etwa bei den technischen Berufen wie Anlagenmechaniker/in oder im Elektronikhandwerk. Weinrich berichtet: „Studienaussteiger/innen, die in diese Richtung gehen, sind immer wieder sehr beeindruckt davon, wie vielseitig die Aufgaben sind, freuen sich über die Möglichkeit, sich innerhalb des Berufs zu spezialisieren und entdecken ungeahnte Weiterbildungs- und Aufstiegsmöglichkeiten.“ Ein notorisch falsches Bild herrscht vor allem beim Thema Gebäudereinigung. „Das ist viel mehr als Putzen gehen. Man schließt die Ausbildung immerhin als Fachkraft ab, kann sich dann spezialisieren – etwa auf Krankenhausreinigung – oder als Objektleitung ins mittlere Management wechseln“, stellt Weinrich klar. Dann geht es um Einsatzplanung, Kundenbetreuung, Beschwerdemanagement und Personalführung.

 

Karriereoptionen inklusive

Überhaupt bewertet Weinrich die Karrierechancen im Handwerk positiv. Zusätzlich zum Meister- bzw. Meisterinnen-Brief oder Betriebswirt/Betriebswirtin im Handwerk stehen in Hamburg viele Betriebe in den nächsten zehn Jahren zur Übernahme an. Weinrich ist überzeugt: „Für wen Selbstständigkeit eine Option ist, dem kann ich eigentlich nur raten, ins Handwerk zu gehen.“ In größeren Betrieben gibt es die Möglichkeit, angestellt Führungspositionen zu übernehmen. Auf dem Elbcampus Hamburg bietet die Handwerkskammer zudem ein umfassendes Weiterbildungsprogramm an. Dort ist auch die Berufsakademie Hamburg angesiedelt. Wer sich doch noch nicht ganz vom Studieren verabschieden mag, kann die handwerkliche Ausbildung mit einem Bachelor-Abschluss kombinieren. Pro Jahr starte jeweils eine Klasse mit Teilnehmenden aus allen Gewerken. „Die Betreuung ist persönlicher als an der Uni und man profitiert unmittelbar von den unterschiedlichen Erfahrungen“, beschreibt Weinrich das Duale Studium. Das Beste: Nach vier Jahren kann man mit Geselle/Gesellinnennbrief plus Berufserfahrung plus Studienabschluss richtig durchstarten.

 

Bewerbung für Handwerksberufe? Birgit Weinrich weiß, worauf es ankommt:

Praktikum – „Fast alle Betriebe wünschen sich, die Bewerber/innen im Praktikum kennenzulernen. Das ist gut für alle: Die Bewerber/innen erfahren, was konkret auf sie zukommt und wie die Kolleg/innen ticken; die Ausbildungsbetriebe sehen, wie sich die Bewerber/innen handwerklich anstellen und können einschätzen, ob der Beruf passt.“

Motivation – „Viele Studienaussteigende geben sich viel Mühe, ihre Gründe für den Ausstieg umfassend darzulegen. Das ist den Betrieben jedoch gar nicht so wichtig. Viel mehr zählt die Motivation: Warum dieses Handwerk? Warum dieser Betrieb? Auch Vorerfahrungen mit handwerklichen Tätigkeiten interessieren die Ausbildungsbetriebe.“

Bewerbungsunterlagen – „Kleine und mittelständische Handwerksbetriebe haben häufig keine eine eigene Personalabteilung. Es hilft ihnen daher, die Bewerbungsunterlagen übersichtlich zu halten. Aussagekräftig sollten sie natürlich schon sein – aber eine dicke Mappe überfordert die meisten Betriebe.“

 

Hier geht es zum Projekt „Passgenaue Besetzung von Ausbildungsplätzen“ der Handwerkskammer Hamburg.

Ein Satz ist besser als kein Satz

Der Cursor blinkt auf dem leeren Bildschirm, die Bücher stapeln sich auf dem Schreibtisch, aus den einzelnen Notizen will sich kein zusammenhängender Text fügen. Und eigentlich muss jetzt sowieso endlich mal die Studi-Bude aufgeräumt werden! Bettina Niebuhr, Mitarbeiterin der Zentralen Studienberatung und psychologischen Beratung (ZSPB) der Uni Hamburg, kennt alle Facetten des Hausarbeiten-Prokrastinierens. Und bietet mit Schreibwerkstatt und Schreibcoachings Unterstützung an.

Das Aufschieben wissenschaftlicher Arbeiten ist Niebuhrs Erfahrung nach das weiteste Feld für prokrastinierendes Verhalten im Studium. Dann und wann mal zum Eis essen ausbüchsen, obwohl der Abgabetermin näher rückt, ist zwar menschlich. Wer jedoch Bettina Niebuhrs Hilfe sucht, zieht schon lange keine Vorteile mehr aus der Aufschieberitis. „Denjenigen, die zu mir ins Schreibcoaching kommen, lastet ihr Verhalten wirklich auf der Seele. Sie erleben es als große Not“, berichtet sie.

Perfektionismus und Selbstzweifel

Bettina Niebuhr erlebt ganz unterschiedliche Vermeidungsstrategien. Manche Studierende haben viel gelesen, fangen jedoch nicht an zu schreiben. Andere überarbeiten ihre Texte so lange, dass gewissermaßen eine neue Hausarbeit entsteht. Und manche warten überhaupt auf eine Eingebung, um endlich anfangen zu können. Sie alle schlagen sich jedoch mit einem großen Thema herum: Perfektionismus und Selbstwert. „Das größte Problem ist für die meisten Studierenden, dass sie sich mit dem Ergebnis ihrer Arbeit zeigen müssen, wenn sie die Hausarbeiten abgeben“, so Niebuhr. „Daran knüpfen sich oft Fragen wie bin ich gut genug, ist das ausreichend, was ich geschrieben habe, ist das überhaupt wissenschaftlich, was ich abgebe?“ Solche Zweifel führen beispielsweise dazu, dass die Studierenden ein eigentlich klar umrissenes Thema immer weiter ausdehnen. Niebuhr schildert die typischen Fragen, die dann in den Köpfen der Betroffenen kreisen: „Sind wirklich alle Aspekte berücksichtigt? Muss das Thema nicht noch mit rein? Und das andere muss ich doch eigentlich auch noch berücksichtigen!“ Aus der Sorge, alles gut und richtig zu machen, wächst die Hausarbeit so zu einem unübersichtlichen Gebirge an – und bleibt im schlechtesten Fall erst einmal ganz liegen.

Austausch statt Grübeln

In ihrer Arbeit mit den Studierenden geht es Bettina Niehbur vor allem darum, diesen Druck rauszunehmen. Dabei helfen zum einen Selbstreflexion und Austausch: „Ich frage Studierende, wann sie feststellen können, dass sie mit dem, was sie gemacht haben, zufrieden sind“, erläutert Niebuhr. Das Angebot der offenen Schreibwerkstatt beschreibt sie so: „Hier trifft man sich, um einfach zu schreiben, Fragen zu klären, Methoden auszutauschen und von Woche zu Woche weiterzumachen. Und wenn es nicht weitergeht, überlege ich mit den Betroffenen: Wie kannst du denn wenigstens hier in den zwei Stunden weitermachen?“ Dabei erlebt sie immer wieder Aha-Momente bei den Teilnehmenden. „Eine Studentin formulierte es so: „Ein Satz ist besser als kein Satz. Selbst wenn der totaler Nonsens ist, habe ich den erste Schritt gemacht“, erzählt Niebuhr. Auch von dem Austausch in den Pausen profitieren die Teilnehmenden. Schon die Erkenntnis „Ach, ich bin ja gar nicht allein damit!“ erleben viele als hilfreich. Neben der offenen Schreibwerkstatt finden Studierende der Uni Hamburg auch in Einzelcoachings Unterstützung zum Thema Schreiben.

Prokrastinieren oder Studienzweifel?

Immer wieder Hausarbeiten aufzuschieben kann durchaus Studienzweifel auslösen. Allerdings ist nicht jedes Schreib-Prokrastinieren ein Signal dafür, dass das Studium womöglich nicht der richtige Weg ist. Aber wann weisen Schreibtischflucht und Schreibvermeidung womöglich auf tieferliegende Studienzweifel hin? Darauf hat Bettina Niebuhr eine klare Antwort: „Problematisch wird es, wenn Studierende merken, dass sie das Fach gar nicht mehr interessiert oder mit anderen Erwartungen an das Fach gegangen sind. Wenn sie merken, dass sie zu Themen schreiben müssen, die nichts mit ihren Interessen zu tun haben, dann steht schon die Frage im Raum: „Ist das Studium überhaupt noch passend?“ Wie gut, dass in solchen Fällen ihre Kolleginnen und Kollegen von der ZSPB auch diese Frage mit Erfahrung und Empathie gemeinsam mit den Studierenden ausloten können.

 

 

 

 

„Befähigen, nicht aufzwingen!“

Und schon wieder den Abgabetermin für die Hausarbeit verpasst … Faulheit? Eher nicht. Wissenschaftler/innen der Universität Wittenberg-Halle stellen in einer aktuellen Studie mit dem Titel „Befähigen, nicht aufzwingen“ fest: Auch unklare Aufgabenstellung und unverbindliche Begleitung durch Lehrende begünstigen prokrastinierendes Verhalten.

Hin und wieder mal etwas verschleppen oder eine unliebsame Aufgabe vor sich herschieben, das kennen fast alle Menschen. Problematisch wird es, wenn sich die Hausarbeiten für die Uni nach und nach auf dem Schreibtisch türmen – und der Zweifel am Studium mit jedem verstrichenen Termin wächst. Entgegen unwirscher Kommentare von Eltern oder Bekannten hat Aufschieben jedoch nichts mit süßem Nichtstun zu tun. Fortgesetztes Prokrastinieren macht Stress, keinen Spaß. Expert/innen beschreiben Prokrastination als bewusstes, aber irrationales Verhalten: Betroffene wissen, dass ihr Ausweichhandeln böse Folgen hat, entscheiden sich aber dennoch dafür. Wissenschaftler/innen der Uni Halle-Wittenberg wollten wissen, woran es liegen kann, wenn Studierende ihre Abschlussarbeiten nicht rechtzeitig abgeben.

Charakter oder Umstände?

Der Hang zur Aufschieberitis wird gern und häufig als Charaktereigenschaft verstanden. Die Studienautor/innen aus Halle gehen in ihrer Untersuchung einen anderen Weg. Sie wollten überprüfen, ob auch äußere Faktoren Studierende zum Prokrastinieren verleiten. Spannendes Ergebnis: Je unkonkreter und unklarer eine Aufgabenstellung für eine wissenschaftliche Arbeit formuliert ist, desto eher prokrastinieren die Studierenden. Diese Unklarheit kann auch dazu führen, dass die Studierenden keinen Ansatzpunkt finden, wie sie die Aufgabe lösen können. Das hat Konsequenzen. In einem Interview mit dem Deutschlandfunk erläutert Dr. Johannes Hoppe, Mitautor der Studie: „Wenn Studierende prokrastinieren, weil die Arbeitsaufgabe unklar formuliert ist, dann besteht die Gefahr, durch Selbstoptimierung nur die Symptome zu kurieren, aber nicht die eigentlichen Ursachen in Angriff zu nehmen. Und das kann dann im schlimmsten Fall dazu führen, dass Menschen aus dem Teufelskreis aus Vermeidung und Aufschieben nicht mehr alleine herauskommen.“ Und unter Umständen ganz ungewollt auch der Studienabschluss auf der Strecke bleibt.

Weniger Studienzweifel durch mehr Befähigung

Die Studienautor/innen aus Halle plädieren dafür, die Kooperation zwischen Lehrenden und Studierenden zu verbessern. Denn klar ist: Zum wissenschaftlichen Arbeiten gehört es auch, sich komplexe Themen selbst zu erarbeiten und dabei Unklarheiten auszuhalten. Darum liegt der Lösungsansatz nicht im „Vorkauen“ von Inhalten. Sehr wohl aber führen nach Studienlage klare Aufgabenstellungen, die Lehrende und Studierende gemeinsam entwickeln, sowie verbindliche Absprachen und Besprechungen der Arbeiten zu mehr und engagierter Eigenleistung der Studierenden. Das wäre zum Vorteil aller, die als Prokrastinierende an ihrem Studium zweifeln. In der Pressemitteilung der Uni Halle-Wittenberg zur Studie heißt es: „Dies könnte dabei helfen, dass die Studierenden seltener die Abgabefristen verstreichen lassen, bessere Noten erhalten und ihren Abschluss auch häufiger in Regelstudienzeit schaffen könnten.“

 

 INFOKASTEN:

Theorie und Praxis – fertig werden ermöglichen

 

Das könnt Ihr den Studienergebnissen zufolge tun, um eure Hausarbeiten erfolgreich zu Ende zu schreiben – habt vor allem keine Scheu, Eure Lehrkräfte an der Hochschule anzusprechen:

1. Klarheit schaffen

> über die Aufgabe: Was soll ich tun?
> über die Lösungswege: Wie schaffe ich das?

Unser Tipp: Nutzt dazu auch die Angebote an den Hamburger Hochschulen zum Thema wissenschaftliches Arbeiten. Zum Beispiel beim ZSPB der Uni Hamburg.

Nicht zögern, machen!
Für diese Seminare könnt ihr euch schon anmelden:
Fit fürs Lernen (Anregungen zur Änderung des Lernverhaltens ab September)
Weniger aufschieben – mehr erledigen (ab November)

Das vollständige Angebot des ZSPB findet ihr hier.

 

2. Verbindlichkeit herstellen

> regelmäßige Treffen und Besprechungen mit den Betreuenden der Arbeit
> Ergebnisse und Vereinbarungen protokollieren
> Zwischenziele festlegen

 

3. Fragen, fragen, fragen

Fragt euch selbst, aber fragt auch eure Betreuer/innen!
> Was verstehe ich noch nicht?
> Welche Informationen benötige ich noch?
> Wer kann mich dabei unterstützen?

Unser Tipp: Mit Euren Fragen seid Ihr nicht allein. Es beflügelt, gemeinsam zu lernen und sich über wissenschaftliche Problemstellungen auszutauschen. Bildet Arbeitsgruppen und bohrt die dicken Bretter der Abschlussarbeit gemeinsam.