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Doch kein Bücherwurm? Für Studienaussteiger/innen mit Hang zur Technik, Spaß an Handarbeit bei Wind und Wetter, Freude im Umgang mit Menschen und Lust auf Verantwortung könnte der Job als Hafenschiffer/in eine Alternative zur akademischen Berufswelt sein.

Gregor Mogi hat seinen Traumjob gefunden, schon seit Jahren. Er ist Hafenschiffer mit eigenem Unternehmen und hat 2007 zusätzlich noch die MARITIME CIRCLE LINE ins Leben gerufen. Mogi und sein Team bilden regelmäßig neue Hafenschiffer/innen aus. „Eine tolle Aufgabe“, freut er sich. „Unser Beruf ist nicht nur vielseitig und bringt ordentlich Verantwortung mit sich. Die Ausbildung bietet auch viele Ansätze, die eigene Persönlichkeit weiterzuentwickeln.“ Er weiß aber auch: „Eine solide Ausbildung verlangt in jedem Fall eine gute Portion Ausdauer.“ Zwar schlafen Hafenschiffer/innen jeden Abend im eigenen Bett. Dafür gibt es jedoch Wochenendschichten, und im Sommer ist viel zu tun. Vorteil: „Zum Ausgleich kann man es im Winter ruhiger angehen lassen und länger verreisen.“

Theorie und Praxis

Wer Hörsaal und Computer gegen Hafenluft und Elbe tauschen möchte, durchläuft eine fundierte dreijährige Ausbildung. Mitunter geht es auch kürzer. Ob und welche Studienleistungen womöglich auf die Ausbildungsinhalte angerechnet werden können, muss man jedoch im Einzelfall klären. In der Berufsschule büffeln die angehenden Hafenschiffer/innen die notwendige Theorie, die Ausbildungsbetriebe vermitteln ihnen das Handwerk: „Kurz gesagt: Die Auszubildenden lernen, unterschiedliche Schiffstypen zu fahren, zu pflegen, festzumachen – und natürlich den Umgang mit den Passagieren“, fasst Mogi den Ausbildungsplan zusammen. Was recht nüchtern klingt, beschreibt eine abwechslungsreiche Arbeit: Maschinentechnik müssen Hafenschiffer/innen ebenso selbstständig verstehen können wie etwa Farb-Schäden an der Bordwand reparieren, sie planen Routen und berechnen Kraftstoffverbrauch und navigieren ihr Schiff präzise durch den Hafenverkehr.

Passagiere und Fracht

Besonders reizvoll findet Mogi die Arbeit mit den Passagieren. Hier sieht er auch eine der größten Herausforderungen in der Ausbildung: „Im Hafen gibt es viel zu entdecken, trotzdem ist man ja nicht in einem Museum. Da will niemand trockene Erläuterungen vom Band hören. Unsere Aufgabe ist es, unterhaltsam und aktuell etwas zum Hafen zu erzählen. Wer auf unseren Barkassen unterwegs ist, wird über kurz oder lang zu einem schlagfertigen Live-Moderator.“ Und das nicht nur auf Deutsch: Die meisten Moderationen müssen auch auf Englisch sitzen. Wer mit diesem Aspekt der Personenschifffahrt fremdelt, kann sich verstärkt in Richtung Schleppschifffahrt und Güterverkehr ausbilden lassen. Dann vermittelt die Ausbildung in der Berufsschule und auf den Ausbildungsschiffen verstärkt das nötige Wissen in der Logistik und die nötige Praxis, um Ladung löschen, Begleitpapiere und Frachtgut kontrollieren oder Gefahrengut lagern zu können. „Außerdem müssen solche Hafenschiffer natürlich auch lernen, wie sie andere Fahrzeuge – etwa große Kräne oder Schuten – mit ihren Schleppern richtig bewegen“, ergänzt Mogi den Ausbildungskatalog.

Berufsaussichten: bis auf die Brücke der AIDA

Die Ausbildung schließt mit einer Prüfung vor der Handelskammer ab. Doch danach geht es für die frischgebackenen Matrosen/Matrosinnen der Hafenschifffahrt erst richtig los. Mit entsprechender Expertise winkt das Kapitänspatent. „In der Regel sollte man schon etwa ein bis zwei Jahre Erfahrung sammeln“, weiß Mogi. „Dann ist man als Kapitän oder Kapitänin einfach souveräner und schultert die Verantwortung leichter.“ Die Berufsaussichten für Hafenschiffer/innen schätzt der erfahrene Barkassenkapitän optimistisch ein: „Tourismus gilt als sichere Branche, die Zahl der Städtereisenden steigt. Und mit Automatisierungen in großem Umfang rechnen wir nicht.“ Auch an Weiterbildungsmöglichkeiten nach dem Kapitänspatent mangelt es nicht. Dazu gehören doch noch mal akademische Gewässer bei einem Nautik-Studium oder aber weitere Schiffs- und Streckenpatente. Mogi: „Wir hatten mal einen, der ist von der Barkasse schließlich als Kapitän auf der AIDA gelandet.“

 

Du interessierst dich für eine Ausbildung zum/zur Hafenschiffer/in?

Gregor Mogi bildet aus – hier findest du Infos zu seinem Unternehmen.

https://gregors-hamburg.de/ueber-uns/

https://www.maritime-circle-line.de/geschichte-der-mcl/

 

Du möchtest mehr über die Ausbildungsinhalte und über den Ausbildungsverlauf wissen?

Die Staatliche Gewerbeschule Werft und Hafen hat Antworten.

https://g7.hamburg.de/hafenschiffer/

 

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