Holy shift! Von der Religionswissenschaft zum Unternehmer

Beitragsbild

Religionswissenschaft, Küche, Hotellerie Veranstaltungskaufmann: Andi Ebel hat viel ausprobiert. Das beste Rezept für sein Leben und seinen Beruf hat er jenseits des Hörsaals gefunden. Nach einer Ausbildung zum Event-Manager gründet er gerade mit einem Freund sein eigenes Catering-Unternehmen. Holy shift!

 

Keine Entscheidung aus Liebe

„Du hast Abi gemacht hat, du studierst auch!“ So beschreibt Andi die Erwartungshaltung seiner Familie nach dem Schulabschluss. Er selbst hätte sich gern erst einmal eine Auszeit genommen und in Ruhe ausprobiert, was als Nächstes kommen soll. Stattdessen schrieb er sich für ein Religionswissenschaftsstudium an der Uni Hamburg ein. „Mein Abi-Schnitt war nicht der allerbeste. Letzten Endes konnte ich zwischen drei, vier Fächern wählen“, erzählt Andi. Das Rennen macht schließlich der Studiengang Religionswissenschaft. „Ich komme von einer katholischen Schule, da fand ich es reizvoll, Religion mal aus einer wissenschaftlichen Perspektive zu betrachten,“ begründet er seine Entscheidung. Obwohl das Studium nicht seine Herzensangelegenheit war, konnte er den Seminaren und Vorlesungen einiges abgewinnen. „Ich habe Hausarbeiten zu coolen Themen geschrieben. Und mir hat es Spaß gemacht, mich mit den Eigenarten und Gemeinsamkeiten der Weltreligionen auseinanderzusetzen.“ Richtig gern geht er dennoch nicht an die Uni. Nach vier Semestern reicht es ihm ganz. „Ich habe parallel zum Studium einen Job in der Strandperle ergattert. Da war ich immer häufiger – und immer seltener an der Uni.“

 

Vom Elbstrand in die Berge

Für die Strandperle schleppt Andi anfangs Fässer und Getränkekisten die Himmelsleiter von der Elbchaussee runter an den Elbstrand. Bald jedoch springt er in der Küche ein – und entdeckt seine Leidenschaft fürs Kochen. Nach einem halben Jahr schmeißt er den Mittagstisch allein, „obwohl ich vorher nicht mal eine Zwiebel schneiden konnte.“ Er beschließt endgültig, aus dem Studium auszusteigen. „Das war die erste richtig erwachsene Entscheidung in meinem Leben“, ist Andi überzeugt. Nach der Exmatrikulation arbeitet Andi noch ein weiteres Jahr als Koch am Elbstrand. In dieser Zeit begegnet er Felix, einem gelernten Koch aus Österreich. „Er war eine totale Bereicherung für mich“, schwärmt Andi, „Felix ist einer, der voll da ist, vor Kreativität sprudelt, keine Angst hat.“ Gemeinsam bauen die beiden in Österreich sogar eine geerbte Pension um. „Wir haben jedes Zimmer individuell gestaltet. Eine krasse Erfahrung!“ beschreibt Andi die Zeit in Österreich. Zurück in Deutschland macht er sich auf die Suche nach einem Ausbildungsplatz.

 

Überm Strich

Nach einem Schreiner-Praktikum („Ich hab mir eingebildet, handwerklich begabt zu sein. War aber nicht so!“) entdeckt die Kitchen Guerilla Andis Talente. Die Inhaber bieten ihm einen Ausbildungsplatz zum Veranstaltungskaufmann an. „Mit denen hab ich so coole Food Events gemacht, das war eine richtig geile Zeit!“ Allerdings auch eine anstrengende. In seiner Begeisterung möchte Andi alle Möglichkeiten mitnehmen, die ihm die vielseitigen Veranstaltungen der Kitchen Guerilla bieten. Nebenbei jobbt er noch hinter der Bar, im Service und als Focaccia-Bäcker in einem Restaurant, um sein Ausbildungsgehalt aufzustocken. Das strengt ihn auf Dauer so an, dass er erst einmal eine Auszeit braucht. In drei Wochen am Meer sortiert Andi sich neu. „Ich kann nicht so gut Nein sagen. Das muss man aber im Berufsleben durchaus auch mal machen“, so seine Erkenntnis. Food-Events fesseln ihn immer noch – und ein glücklicher Zufall führt ihn zu Hirn und Wanst in Wilhelmsburg. Dort kann er die Ausbildung beenden. Mit seinem Beruf fühlt Andi sich rundum glücklich: „Die Symbiose von Kochen und Event sagt mir schon sehr zu. Das ist voll der Beruf für mich!“

 

Sein eigener Chef

Auf Menschen zugehen, Konzepte für Veranstaltungen entwickeln, mit Lieferant/innen verhandeln, abgefahrene Event-Ideen verwirklichen – das wird Andi zukünftig als sein eigener Chef tun. „Bis vor einem halben Jahr habe ich noch gedacht, dass ich länger angestellt arbeiten möchte. Mir kamen aber so viele Ideen und ich habe gemerkt: Daraus möchte ich mein eigenes Ding machen und Aktionen so umsetzen, wie ich mir das vorstelle.“ Gemeinsam mit einem Freund baut er daher gerade sein eigenes Event Catering-Unternehmen auf. „Wir wollen mit den Bio-Landwirten in der Umgebung kooperieren und möglichst bald nur noch Lebensmittel verarbeiten, die im Umkreis von 120 Kilometern hergestellt werden“, beschreibt Andi sein Ziel. „Dann stehen eben mal keine Oliven auf dem Tisch, sondern Sellerie. Der schmeckt auch super.“ Erste Anfragen gibt es schon, etwa von einem kleinen Festival-Veranstalter. Andi ist zuversichtlich: Die hungrigen Festivalbesucher werden sich auch mit regionaler und saisonaler Küche sattfuttern. Gibt es etwas, das er aus seinem Studium ins Unternehmertum mitnehmen kann? Andi lacht. „Ich habe an der Uni gottseidank immer gern Hausarbeiten geschrieben, mich in die Texte reingewühlt und viel recherchiert. Das kann ich, und das hilft mir jetzt auch bei allen möglichen Anträgen und beim Business-Plan.“

 

Du interessierst dich für eine Ausbildung zum/zur Veranstaltungskaufmann/Veranstaltungskauffrau?

Dann guck doch mal bei Hirn und Wanst vorbei.

Einen Kommentar verfassen

Ihre E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.