shift ins Blaue : Schifffahrt statt Schule

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 Sie tauschten ihr Lehramts-Studium in Kiel gegen eine Schifffahrts-Ausbildung in Hamburg. Im shift-Interview erzählen Lars-Niklas Klamt und Ben Lukas Weber von Studienzweifeln, dem Gefühl „gebraucht zu werden“ und wie sie ihren Ausbildungsplatz bei den Deutschen Afrika-Linien / John T. Essberger ergatterten.

 

Ihr zwei habt beide ein Lehramts-Studium angefangen. Wie kam es zu eurem Studienausstieg?

 Ben: „Du wirst Lehrer, sagten mir Freunde und Verwandte voraus. Ich hatte mich zwar für duale Studiengänge beworben. Nach ersten Absagen beschloss ich: „Dann halt wirklich Lehrer. Du kannst mit Kindern und hast immer Spaß an der Schule gehabt.“ Ich bin allerdings sehr blind an die Uni gegangen. Wie es sich anfühlt, zu studieren, habe ich beispielsweise gar nicht bedacht. Plötzlich saß ich in einem dieser großen Hörsäle. Die ersten Klausuren waren nicht schwer, da kam ich ohne Probleme durch, aber von den ersten anderthalb Semestern ist nicht wirklich etwas hängengeblieben. Ich habe nie den Bezug zu den Sachen hergestellt, die mir vorgetragen wurden. Der spätere Beruf und der Alltag an der Schule waren nicht die Unbekannte, sondern das Studium.“

 Lars: „Auch bei mir war der Beruf nicht das eigentliche Problem. Ich arbeite sehr gerne mit Kindern zusammen und habe auch nebenbei an der Grundschule Aushilfsstunden gemacht. Am Ende war es vielmehr die Studienstruktur: Mir missfielen die unregelmäßigen Zeiten. Mal um 16 Uhr, mal um 12 Uhr Seminar haben – da kann man schnell in Lethargie verfallen. Ich konnte mich für Hausarbeiten und Klausuren motivieren, doch fühlte mich nicht sonderlich gebraucht. Ich wusste, es war nicht nachhaltig, was ich gerade mache. Deshalb habe ich mich entschieden, in eine Ausbildung zu gehen. Im Studium kommt das Gefühl der Nachhaltigkeit und des Sinns erst, wenn man einmal angestellt ist. Den Weg dahin kann man natürlich gehen, aber mir persönlich war er in dem Moment nicht geradlinig genug.“

 

War die Ausbildung nach dem Abi überhaupt Thema?

 Lars: „Nein, überhaupt nicht. Da erging es mir wie einem Großteil meiner Mitschüler.“

Ben: „Von meinen Eltern kam immer: Duales Studium oder eine Ausbildung. Eine Ausbildung war in meinem Freundeskreis überhaupt keine Option. Alle sind an die Uni oder noch ein Jahr durch die Weltgeschichte gereist. Zwei Jahre später wiesen dann allerdings relativ viele einen ähnlichen Lebenslauf wie ich auf.“

 

 

Wie war das mit den Zweifeln? Waren sie plötzlich da oder schlichen sie sich ein?

 Lars: „Bei mir hat sich das eingeschlichen. Anfangs war ich noch motiviert und wollte das gut machen. Zu Beginn des zweiten Semesters habe ich jedoch vernünftig über das Studium nachgedacht und festgestellt: „Das ist überhaupt nicht das, was du machen willst.“ Außerdem habe ich gemerkt, dass ich ein bisschen schlecht drauf war im Alltag. Das war natürlich eng mit der Frage verknüpft: „Wofür mache ich das eigentlich?“ Mein Gedankengang war schließlich folgender: „Ich höre nur mit dem Studium auf, wenn ich einen Ausbildungsplatz habe.“ Daraufhin bewarb ich mich, fand relativ schnell meinen Ausbildungsplatz und damit war das Thema durch. Ab dem Augenblick ging es schnell! Was länger brauchte, war der Prozess bis dahin.“

Ben: „Ich war von Anfang an nicht richtig begeistert. Aber wenn du mit etwas anfängt, solltest du normalerweise begeistert sein. Während des Lehramts-Studiums dachte ich oft: „Ich lerne gerade Dinge, über die ich weiß, dass ich sie später an der Schule nicht brauchen werde.“ Ob ich noch eine Hausarbeit über Shakespeare mache, interessierte keinen! Für mich war irgendwann klar, dass ich etwas machen möchte, bei dem ich den Effekt sehe. Es soll eine Bedeutung für Menschen haben. Im Studium war ich einfach ein bisschen verloren. Nach anderthalb Semester war klar, dass ich einen klaren Schnitt brauchte. Ich habe meine Wohnung in Kiel gekündigt, bin wieder zu meinen Eltern gezogen und habe nebenbei Bewerbungen geschrieben.“

 

Wie habt ihr euch anschließend über eure Zukunfts-Optionen informiert?

 Ben: „Ich hatte relativ schnell den Schifffahrts-Bezug, weil meine Mutter den Beruf vor 30 Jahren gelernt hat. Außerdem hatte ich das Glück, dass wir mit einem Broker befreundet sind. Bei ihm habe ich ein Praktikum gemacht, nachdem ich bereits die Zusage bei DAL / JTE hatte. Ab dem Moment wusste ich, dass ich meinen Weg gefunden habe. Wenn du morgens mit den Amerikanern und abends mit den Asiaten telefonierst, ist das absolut spannend. Frisch von der Schule oder der Uni, wirst du da auf die große, weite Welt losgelassen.“

Lars: „Nur über das Internet. Ich kannte niemanden, der in der Schifffahrt arbeitet. Ich wollte nach Hamburg und da kommt man natürlich relativ schnell auf die Schifffahrt.“

 

Zu eurer Spezialisierung als Schifffahrtskaufmänner…

 Ben: „Es gibt die Linien-Schifffahrt und die Tramp-Schifffahrt. Wir beide arbeiten in der Tramp-Schifffahrt. Den Unterschied kann man folgendermaßen erklären: Linienschifffahrt ist wie ein Bus, der immer die gleichen Fahrpläne abfährt. Hier hat man es meist mit Containerschiffen zu tun. Lars und ich sind in der Trampschifffahrt tätig. In unserem Fall haben wir es mit Chemikalientankern zu tun, die dann wie ein Taxi dahin fahren, wo sie gebraucht werden. Die Azubis der beiden Spezialisierungen lernen zusammen in einer Klasse der Berufsschule, aber der Berufsalltag unterscheidet sich doch relativ deutlich.“

 

Wie verlief euer Bewerbungsprozess?

 Ben: „Ich bin den „normalen“ Bewerbungsprozess durchlaufen. Ich fand es sehr persönlich. Hier bei  DAL / JTE findet erst einmal ein Vorgespräch statt, wo Bewerber und Ausbilder einen ersten Eindruck  voneinander erlangen können. Später folgt das Assessment-Center, bei dem du mit ca. 14 anderen Bewerbern die klassischen Aufgaben durchgehst. Die Stimmung war sehr konträr zu anderen Reedereien. Wenn man bei den „Großen“ ist, geht alles sehr schnell hintereinander vonstatten. Anderthalb Stunden lang kommen 20 Bewerber in den Raum und – zack – folgt die nächste Gruppe. Man braucht die richtige Größe für eine Ausbildung. Nicht zu groß und nicht zu klein. Das war hier für mich gegeben. Für die Schifffahrt ist DAL / JTE ein mittleres Unternehmen. Es ist keiner der riesigen Konzerne, in dem du in einer Abteilung den ganzen Tag das Gleiche machst. Hier bekommst du schon noch alles mit.“

Lars: „Bei mir verlief der Bewerbungsprozess ein bisschen anders. Zunächst hatte ich eine Zusage bei einer anderen Reederei. Beim Azubi-Speeddating in der Handelskammer bin ich auf DAL / JTE gestoßen. Ein paar Tage später wurde ich angerufen und zum 2. Bewerbungsgespräch eingeladen. Ich habe mich direkt sehr gut aufgehoben gefühlt.“

 

Nach dem shift

Wenn du das erste Mal einen Schiffskapitän in der Leitung hast. Wenn du mit Kollegen auf der ganzen Welt redest. Wenn du dich plötzlich für Vakuumpumpen interessierst.

>>> Lars-Niklas Klamt und Ben Lukas Weber wagten den shift in die Schifffahrt. Lese im Folge-Interview, was die zwei shifter an ihrer maritimen Ausbildung lieben! <<<