Umorientiert. Na und?

Mit einem Studienausstieg sollten Bewerber/innen offen umgehen, erklärt Alexandra Trinkus. „Dann hat man sich halt mal falsch entschieden und musste sich umorientieren. Sich das einzugestehen, ist auch eine Stärke.“ Mit Bewerbungen kennt sich Alexandra Trinkus aus. Sie leitet den Bereich Ausbildung der Deutschen Afrika-Linien / John T. Essberger Unternehmensgruppe (DAL/JTE). Im shift-Gespräch verrät uns die Personalreferentin, wie eine Ausbildung zum/r Schifffahrtskaufmann/frau konkret aussieht und worauf sie bei der Auswahl neuer Bewerber/innen besonders achtet. Extra-Tipps für shifter/innen inklusive!

 

Keine Angst vor Internationalität

Vor Internationalität sollte ein Azubi bei DAL / JTE –  und in der maritimen Branche im Allgemeinen – keine Angst haben. Schließlich arbeite man hier mit Kunden auf der ganzen Welt zusammen, erklärt Alexandra Trinkus. Die Deutschen Afrika-Linien sind eine Linienreederei, die den Transport von Containern z.B. von Europa nach Südafrika, Ostafrika oder auch in den Indischen Ozean hinein anbieten. Weitere Routen ergänzen das Portfolio. Unter dem Namen John T. Essberger bzw. Essberger Tankers werden wiederum anspruchsvolle Chemikalien auf hochspezialisierten Tankern im Mittelmeer, vor allem aber in der Nord- und Ostsee transportiert. So bietet die Unternehmensgruppe ihren Azubis die zwei traditionellen Spezialisierungen an: Die Linien- und die Trampschifffahrt.

 

Das A und O der Schifffahrt: Kommunikation

Die Ausbildung zum/r Schifffahrtskaufmann/frau ist anspruchsvoll. Doch Alexandra Trinkus relativiert: „Du musst nicht perfekt sein! Aber gewisse Dinge musst du eben mögen. Das A und O in der Schifffahrt ist Kommunikation. Du solltest gut und viel kommunizieren können und wollen, auch auf Englisch. Schließlich arbeitest du mit Menschen auf der ganzen Welt zusammen. Außerdem solltest du den Überblick behalten können. Gerade in der Trampfahrt können Dinge, die du gerade geplant hast, wieder verworfen und neu geplant werden. Das darf nicht frustrieren. In der Linienfahrt ist es ein bisschen beständiger, aber auch da muss man sich mal durchbeißen.“

 

Die Ausbildung zum/r Schiffahrtskaufmann/frau

Insgesamt arbeiten bei DAL / JTE 250 Mitarbeiter/innen in Deutschland – die Seeleute nicht mitgezählt. Das Azubi-Team zählt momentan 18 Köpfe. Azubis mit Fachhochschulreife oder Abitur lernen 2,5 Jahre. Die Ausbildung fängt im Februar und im August an.

Alexandra Trinkus erklärt: „Während der Ausbildung durchläufst du in unserem Unternehmen alle Pflichtabteilungen. Im Falle der Linienfahrt ist es zum einen das Liner Operations, das sich um die Container kümmert. Hier dreht sich alles um Fragen wie: „Wo stehen unsere Leercontainer? Wie kommen diese zum Kunden? Müssen sie repariert werden?“ Dann gibt es den Customer Service – dort sitzen die Ansprechpartner für unsere Kunden. Eine Abteilung, die uns hier bei DAL sehr wichtig ist. Bei uns ruft der Kunde an und bekommt jede Frage von der gleichen Person beantwortet. Man muss sich also nicht irgendwo durchklingeln, sondern hat feste Ansprechpartner. Das macht uns besonders. Gerade wegen unseres individuellen Umgangs mit dem Kunden können wir uns gegen die Großen überhaupt behaupten.

In der Trampfahrt sind die Fachabteilungen anders gelagert. Die Charterer erhalten den Auftrag und fragen sich: „Haben wir überhaupt ein Schiff, das die Ladung an den besagten Ort fahren kann? Lohnt sich der Auftrag? Werden wir uns über den Preis einig?“ Dann geht der Auftrag weiter an das Operations Team, welche die Hafenanfahrt organisiert.

Die Abteilung des Shipmanagement gilt natürlich wieder für beide Fachrichtungen. Hier kümmern sich die Mitarbeiter/innen um Werftaufenthalte, Neubauten, den Einkauf von technischem Equipment, aber auch um alle Sicherheitschecks und Schulungen. Ebenso ist das Crewing für all unsere Kolleginnen und Kollegen an Bord verantwortlich.“

 

Fehler machen erlaubt

Eine Sache ist Alexandra Trinkus während einer Ausbildung wichtig: „Wenn jemand einen Fehler macht, bloß nichts unter den Tisch kehren, weil dann die Probleme erst richtig anfangen. Wer offen mit seinen Fehlern umgeht, kann sich auch sehr gut entwickeln. Schließlich durchläufst du alle Abteilungen und bist immer gut betreut – und zwar oft von Kolleg/innen, die hier irgendwann einmal selbst gelernt haben und nun seit vielen Jahren hier arbeiten.“

 

Der Bewerbungs-Prozess in drei Schritten

 

  1. Schritt: schriftlich bewerben

Tipp 1: Alles in eins – Datei-Ansammlungen vermeiden

„Wir freuen uns über Bewerbungen per E-Mail. Aber Achtung, packt alles in ein PDF. Bitte keine zehn Anhänge!“

Tipp 2: Nebenjob und Praktikum – bloß nichts weglassen

„Ich lese gerne Lebensläufe, in denen auch der Nebenjob drinsteht, das Babysitten oder das Regale-Einräumen im Supermarkt. Bloß nichts weglassen! Schreibe in den Lebenslauf alles, was du gemacht hast. Vor allem die Nebenjobs und Praktika. Das zeigt, dass du schon einmal dein eigenes Geld verdient hast. Du weißt, was es heißt, pünktlich zu sein, Verantwortung zu tragen.

Noten sind nicht alles. Vielmehr sollte ich das Gefühl haben, dass die Bewerber/innen auch andere Dinge mitbringen, wie zum Beispiel eben Verantwortungsbewusstsein. Das ist eine Sache, die du hier schon können musst Verantwortung übernehmen können und wollen, auch als Azubi.“

 

  1. Schritt: kennenlernen

 „Nach Sichtung der Bewerbungen lade ich die Bewerber/innen zum ersten Gespräch ein. Ich möchte die Kandidaten immer zuerst persönlich kennenlernen. Mir ist es wichtig, herauszufinden, mit welchem Typ Mensch ich es zu tun habe. Das Schifffahrtsspezifische lernst du ja später noch in der Berufsschule und bei uns.“

Traditionelle Reederei sucht engagierten Azubi

„Das Gespräch findet hier in unserem alten Gebäude statt. Wir sind schließlich eine traditionsreiche Reederei und ein sehr beständiges Unternehmen – das ist etwas, was uns gut und solide durch die Schifffahrtskrise gebracht hat. Das Traditionsreiche muss man aber eben auch mögen!“

 

  1. Der Auswahltag: Wer bin ich? Passe ich zum Beruf? Was erwartet mich in der Ausbildung?

„Nach dem Gespräch wähle ich aus, wen wir zu unserem jährlichen Auswahltag im Sommer einladen. Dort treffen noch einmal mehrere Bewerber/innen aufeinander. Es stoßen nun auch noch meine Kolleg/innen aus den Fachabteilungen dazu. Sie betreuen später die Azubis.  Beim Auswahltag geht es viel um die Frage: „Wer bin ich? Passe ich in die Schifffahrt und zur Unternehmensgruppe?“ Es muss eine Präsentation vorbereitet werden. Außerdem findet eine Gruppenarbeit statt.“

Wir nutzen den Auswahltag aber auch explizit dafür uns bei den Bewerbern vorzustellen. Dies geschieht in der Azubi-Time, die extra nur von Azubis gestaltet wird.

Sollten nach unserem Auswahltag nicht alle Plätze besetzt worden sein, führen wir in regelmäßigen Abständen sogenannte Kurz-Auswahltage durch. Hierfür laden wir gute Bewerber in kleinen Gruppen ein und besetzen so die freien Plätze. Wir haben hier gelernt flexibel zu sein.“

 

Extra-Tipps für Bewerber/innen mit shift im Lebenslauf

Alexandra Trinkus erhält viele Bewerbungen von Studienaussteiger/innen. „Über die freue ich mich sehr. Momentan gibt es diesen Trend, dass alle studieren müssen oder wollen. Wer kein normales Studium absolviert, macht häufig ein duales Studium. Ich finde es schade, dass der Ausbildung gar nicht die Möglichkeit gegeben wird. Denn so ein Studium ist nicht für Jeden etwas. Gerade das muss ein junger Mensch vielleicht auch erkennen. Jemand, der ein Studium bereits ausprobiert hat, sammelt durch seinen shift Erkenntnisse. Du weißt besser, was du willst: Zum Beispiel weniger Theorie und mehr Praxis. Vielleicht wünschst du dir auch, Teil einer Gruppe zu sein. Das ist hier im Unternehmen natürlich gegeben. In dem Fall weiß ich als Personalreferentin: „Die wollen diesen Ausbildungsplatz wirklich!“

Im Bewerbungsschreiben und im Gespräch solltest du offen mit deinem Studienausstieg umgehen. Das finde ich besser, als eine Lücke zu sehen, die ich nicht deuten kann. Dann hat man sich halt mal falsch entschieden und musste sich umorientieren. Na und? Sich das einzugestehen, ist auch eine Stärke.“

 

Hast du Interesse an einer Ausbildung zum/r Schifffahrtskaufmann/frau?

DAL/ JTE freut sich hier auf deine Bewerbung.

shift ins Blaue : Schifffahrt statt Schule

 Sie tauschten ihr Lehramts-Studium in Kiel gegen eine Schifffahrts-Ausbildung in Hamburg. Im shift-Interview erzählen Lars-Niklas Klamt und Ben Lukas Weber von Studienzweifeln, dem Gefühl „gebraucht zu werden“ und wie sie ihren Ausbildungsplatz bei den Deutschen Afrika-Linien / John T. Essberger ergatterten.

 

Ihr zwei habt beide ein Lehramts-Studium angefangen. Wie kam es zu eurem Studienausstieg?

 Ben: „Du wirst Lehrer, sagten mir Freunde und Verwandte voraus. Ich hatte mich zwar für duale Studiengänge beworben. Nach ersten Absagen beschloss ich: „Dann halt wirklich Lehrer. Du kannst mit Kindern und hast immer Spaß an der Schule gehabt.“ Ich bin allerdings sehr blind an die Uni gegangen. Wie es sich anfühlt, zu studieren, habe ich beispielsweise gar nicht bedacht. Plötzlich saß ich in einem dieser großen Hörsäle. Die ersten Klausuren waren nicht schwer, da kam ich ohne Probleme durch, aber von den ersten anderthalb Semestern ist nicht wirklich etwas hängengeblieben. Ich habe nie den Bezug zu den Sachen hergestellt, die mir vorgetragen wurden. Der spätere Beruf und der Alltag an der Schule waren nicht die Unbekannte, sondern das Studium.“

 Lars: „Auch bei mir war der Beruf nicht das eigentliche Problem. Ich arbeite sehr gerne mit Kindern zusammen und habe auch nebenbei an der Grundschule Aushilfsstunden gemacht. Am Ende war es vielmehr die Studienstruktur: Mir missfielen die unregelmäßigen Zeiten. Mal um 16 Uhr, mal um 12 Uhr Seminar haben – da kann man schnell in Lethargie verfallen. Ich konnte mich für Hausarbeiten und Klausuren motivieren, doch fühlte mich nicht sonderlich gebraucht. Ich wusste, es war nicht nachhaltig, was ich gerade mache. Deshalb habe ich mich entschieden, in eine Ausbildung zu gehen. Im Studium kommt das Gefühl der Nachhaltigkeit und des Sinns erst, wenn man einmal angestellt ist. Den Weg dahin kann man natürlich gehen, aber mir persönlich war er in dem Moment nicht geradlinig genug.“

 

War die Ausbildung nach dem Abi überhaupt Thema?

 Lars: „Nein, überhaupt nicht. Da erging es mir wie einem Großteil meiner Mitschüler.“

Ben: „Von meinen Eltern kam immer: Duales Studium oder eine Ausbildung. Eine Ausbildung war in meinem Freundeskreis überhaupt keine Option. Alle sind an die Uni oder noch ein Jahr durch die Weltgeschichte gereist. Zwei Jahre später wiesen dann allerdings relativ viele einen ähnlichen Lebenslauf wie ich auf.“

 

 

Wie war das mit den Zweifeln? Waren sie plötzlich da oder schlichen sie sich ein?

 Lars: „Bei mir hat sich das eingeschlichen. Anfangs war ich noch motiviert und wollte das gut machen. Zu Beginn des zweiten Semesters habe ich jedoch vernünftig über das Studium nachgedacht und festgestellt: „Das ist überhaupt nicht das, was du machen willst.“ Außerdem habe ich gemerkt, dass ich ein bisschen schlecht drauf war im Alltag. Das war natürlich eng mit der Frage verknüpft: „Wofür mache ich das eigentlich?“ Mein Gedankengang war schließlich folgender: „Ich höre nur mit dem Studium auf, wenn ich einen Ausbildungsplatz habe.“ Daraufhin bewarb ich mich, fand relativ schnell meinen Ausbildungsplatz und damit war das Thema durch. Ab dem Augenblick ging es schnell! Was länger brauchte, war der Prozess bis dahin.“

Ben: „Ich war von Anfang an nicht richtig begeistert. Aber wenn du mit etwas anfängt, solltest du normalerweise begeistert sein. Während des Lehramts-Studiums dachte ich oft: „Ich lerne gerade Dinge, über die ich weiß, dass ich sie später an der Schule nicht brauchen werde.“ Ob ich noch eine Hausarbeit über Shakespeare mache, interessierte keinen! Für mich war irgendwann klar, dass ich etwas machen möchte, bei dem ich den Effekt sehe. Es soll eine Bedeutung für Menschen haben. Im Studium war ich einfach ein bisschen verloren. Nach anderthalb Semester war klar, dass ich einen klaren Schnitt brauchte. Ich habe meine Wohnung in Kiel gekündigt, bin wieder zu meinen Eltern gezogen und habe nebenbei Bewerbungen geschrieben.“

 

Wie habt ihr euch anschließend über eure Zukunfts-Optionen informiert?

 Ben: „Ich hatte relativ schnell den Schifffahrts-Bezug, weil meine Mutter den Beruf vor 30 Jahren gelernt hat. Außerdem hatte ich das Glück, dass wir mit einem Broker befreundet sind. Bei ihm habe ich ein Praktikum gemacht, nachdem ich bereits die Zusage bei DAL / JTE hatte. Ab dem Moment wusste ich, dass ich meinen Weg gefunden habe. Wenn du morgens mit den Amerikanern und abends mit den Asiaten telefonierst, ist das absolut spannend. Frisch von der Schule oder der Uni, wirst du da auf die große, weite Welt losgelassen.“

Lars: „Nur über das Internet. Ich kannte niemanden, der in der Schifffahrt arbeitet. Ich wollte nach Hamburg und da kommt man natürlich relativ schnell auf die Schifffahrt.“

 

Zu eurer Spezialisierung als Schifffahrtskaufmänner…

 Ben: „Es gibt die Linien-Schifffahrt und die Tramp-Schifffahrt. Wir beide arbeiten in der Tramp-Schifffahrt. Den Unterschied kann man folgendermaßen erklären: Linienschifffahrt ist wie ein Bus, der immer die gleichen Fahrpläne abfährt. Hier hat man es meist mit Containerschiffen zu tun. Lars und ich sind in der Trampschifffahrt tätig. In unserem Fall haben wir es mit Chemikalientankern zu tun, die dann wie ein Taxi dahin fahren, wo sie gebraucht werden. Die Azubis der beiden Spezialisierungen lernen zusammen in einer Klasse der Berufsschule, aber der Berufsalltag unterscheidet sich doch relativ deutlich.“

 

Wie verlief euer Bewerbungsprozess?

 Ben: „Ich bin den „normalen“ Bewerbungsprozess durchlaufen. Ich fand es sehr persönlich. Hier bei  DAL / JTE findet erst einmal ein Vorgespräch statt, wo Bewerber und Ausbilder einen ersten Eindruck  voneinander erlangen können. Später folgt das Assessment-Center, bei dem du mit ca. 14 anderen Bewerbern die klassischen Aufgaben durchgehst. Die Stimmung war sehr konträr zu anderen Reedereien. Wenn man bei den „Großen“ ist, geht alles sehr schnell hintereinander vonstatten. Anderthalb Stunden lang kommen 20 Bewerber in den Raum und – zack – folgt die nächste Gruppe. Man braucht die richtige Größe für eine Ausbildung. Nicht zu groß und nicht zu klein. Das war hier für mich gegeben. Für die Schifffahrt ist DAL / JTE ein mittleres Unternehmen. Es ist keiner der riesigen Konzerne, in dem du in einer Abteilung den ganzen Tag das Gleiche machst. Hier bekommst du schon noch alles mit.“

Lars: „Bei mir verlief der Bewerbungsprozess ein bisschen anders. Zunächst hatte ich eine Zusage bei einer anderen Reederei. Beim Azubi-Speeddating in der Handelskammer bin ich auf DAL / JTE gestoßen. Ein paar Tage später wurde ich angerufen und zum 2. Bewerbungsgespräch eingeladen. Ich habe mich direkt sehr gut aufgehoben gefühlt.“

 

Nach dem shift

Wenn du das erste Mal einen Schiffskapitän in der Leitung hast. Wenn du mit Kollegen auf der ganzen Welt redest. Wenn du dich plötzlich für Vakuumpumpen interessierst.

>>> Lars-Niklas Klamt und Ben Lukas Weber wagten den shift in die Schifffahrt. Lese im Folge-Interview, was die zwei shifter an ihrer maritimen Ausbildung lieben! <<<

Nach dem shift: die Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann

Wenn du das erste Mal einen Schiffskapitän in der Leitung hast. Wenn du mit Kolleg/innen auf der ganzen Welt redest. Wenn du dich plötzlich für Vakuumpumpen interessierst. Lars-Niklas Klamt und Ben Lukas Weber wagten den shift in die Schifffahrt. Im Interview verraten sie uns, was sie an ihrer maritimen Ausbildung und ihrem Beruf lieben. Wie sie vom Lehramts-Studium überhaupt in die Schifffahrts-Ausbildung kamen, kannst du in diesem Beitrag nachlesen.

 

Nach einem Wechsel von der Uni in die Ausbildung hieß es für euch Neustart mit Schifffahrt! Wie sahen die ersten Monate bei den Deutschen Afrika-Linien / John T. Essberger für euch aus?

 Lars: „Meine erste Abteilung war das Crewing. Das ist die Personalabteilung für die Crew. Ich habe mich dort direkt wohlgefühlt, was natürlich die Aufregung linderte. Zwei Monate lang hatte ich hier viele Möglichkeiten, gleich mitzumachen. Im Vergleich zum Studium ging es ungefähr nach einer Woche relativ schnell los. Der Abteilungsleiter übertrug mir direkt recht verantwortungsvolle Aufgaben. Das war genau, was ich wollte! Anschließend war ich beim Shipmanagement und in der Hafenagentur, die perfekte Abteilung, um alles über die Basics der Schifffahrt zu lernen. Hier gehst du viel auf das Schiff und kannst den Prozess im Hafen hautnah miterleben.“

Ben: „Ich war als Erstes in der Abteilung der Operations. Sie kümmert sich um die ganze Reiseplanung und den Ablauf der Schiffe. Das Operations-Department befindet sich auf einem Stockwerk mit dem Chartering und so bekam ich sofort alles mit – auch die Probleme, die irgendwo mal stattfinden. Das ist anfangs sehr hektisch. Die ersten drei Tage verstand ich nicht viel von den vielen Fachbegriffen. Aber nach einer Woche merkte ich: „Ok, das ist alles gar nicht so schwer. Wenn du logisch mitdenkst, kommst du überall mit.“

Im Operations bekommst du schnell viel Verantwortung übertragen. Wenn du das erste Mal ans Telefon gehst und einen Kapitän in der Leitung hast, wartet der nicht lang und erzählt einfach los. Darauf musst du einfach reagieren. Klar sind das Situationen, an denen du ein bisschen wächst. Mittlerweile bin ich total entspannt, wenn der Kapitän anruft. Ich bekomme auch von den Kollegen guten Support. Frei nach dem Prinzip: Es gibt keine dummen Fragen.

Nach meiner Zeit beim Operations wurde ich im Crewing eingesetzt. Hier haben sich bei mir einige Zusammenhänge geklärt. Vom Chartering wusste ich zum Beispiel, dass die Crew immer bestimmte Eigenschaften haben muss. Sie müssen einen gewissen Rang, eine Anzahl an Jahren für die Company gearbeitet haben, mehrere Jahre auf dem Schiff gefahren sein, je nach Anforderungen des Kunden. Über diese Vorlagen habe ich mir nicht weiter Gedanken gemacht. Im Crewing verstand ich erst, wie schwer es ist, ein Team so zusammenzustellen, dass es die Ladung fahren kann.

Jetzt habe ich alle Abteilungen durchlaufen – auch die Hafenagentur. Hier schnappst du auch Sachen auf, für die du dich davor nie interessiert hast. Inzwischen ist es aber für deinen Beruf spannend und relevant. Ich habe zum Beispiel vor kurzem mit dem technischen Inspektor über Vakuumpumpen geredet. Auf einmal hatte ich einen Bezug dazu, obwohl ich in der Schule nur wenig Interesse an Chemie und Physik hatte.“

 

Mit dem Kapitän telefonieren, über Vakuumpumpen diskutieren wie sieht euer perfekter Arbeitstag aus?

 Lars: „Ein Tag mit vielen Problemen, die du alle um 17.30 Uhr gelöst hast! Im Laufe des Operations-Tages kommen unvorhergesehene Dinge auf dich zu, die du in Absprache mit deinen Kollegen im Chartering gemeinsam lösen musst. Perfekt ist, wenn du deine Lösungen umsetzen kannst. Dann gehst du mit einem sehr zufriedenen Gefühl nach Hause. Du sagst dir: „Toll, ich hatte heute sechs, sieben schwierige Sachen zu regeln und ich habe es hinbekommen.“ Alleine deswegen würde ich den Beruf schon weiterempfehlen.

Bens Kapitäns-Beispiel zeigt: Du weißt nie, was kommt und darfst einfach keine Angst haben, zu reden. Du telefonierst bestimmt vierzig, fünfzig Mal am Tag. Daher musst du Lust darauf haben, kommunikativ zu sein. Hemmungen hat man natürlich immer am Anfang, aber mit der Zeit legt du sie schon ab.“

Ben: „Stimmt! Natürlich kommt es auf die Abteilung an, aber kein Tag sieht wie der andere aus. Immer ist irgendwas passiert, dass du regeln musst. Natürlich bist du als Azubi nie derjenige, der die endgültige Entscheidung trifft, aber du bist im Prozess involviert. Dadurch ist jeder Tag abwechslungsreich.

An der Berufsschule lernst du den kaufmännischen Beruf. Aber du brauchst immer noch etwas mehr Wissen, welches in der Berufsschule nicht verlangt wird. Daher ist es schon gut, die technischen Zusammenhänge auf dem Schiff zu verstehen. Zum Beispiel ist es gut zu wissen, welche Ladungen aufgrund ihrer physikalischen Eigenschaften nebeneinander gestaut werden können und welche nicht.

Das macht den Arbeitsalltag sehr spannend. Du lernst jeden Tag etwas dazu.

Du bist weder Techniker, noch Nautiker, aber trotzdem bist du eben eine Ansprechperson für den Kapitän und musst dir überlegen „Ok, was mach ich jetzt?“. Irgendwann kennst du auch bei wiederkehrenden Problemen die passenden Lösungen.“

 

Lars, du arbeitest inzwischen fest im Operations-Team. Ben, wo würdest du gerne nach deiner Ausbildung einsteigen?

 Ben: „Natürlich würde ich gerne zunächst in die Operations, aber die Technik hat mich auch sehr gefangen. In der Operations lernst du Menschen in der ganzen Welt kennen. Überall arbeiten zu können, wo es Reeder und Broker gibt, ist natürlich sehr verlockend. Mit dieser Ausbildung kann ich in Schweden, in den Staaten, in Singapur arbeiten.“

 

Wo seht ihr euch in ein paar Jahren?

 Lars: „Ich wurde gerade übernommen, bin in meiner Wunschabteilung und komme jeden Tag gerne zur Arbeit. Also will ich hier auf alle Fälle erst einmal bleiben. Es besteht über die Berufsschule die Möglichkeit, ein Studium zu machen, ein Bachelor in einem Jahr. Das halte ich für sinnvoll. Wie Ben sagte: Du lernst in der Schifffahrt viele Leute kennen. Daher besteht immer die Möglichkeit, noch einmal ins Ausland zu gehen.“

Ben: „Ich würde natürlich auch gerne übernommen werden. Wenn ich in einem langen Zeitraum, in 5 bis 10 Jahre denke, möchte ich auf alle Fälle eine längere Zeit im Ausland arbeiten. „

 

Was sind eure Tipps für Studienzweifler/innen und -aussteiger/innen?

 Lars: „Gewinne zunächst Klarheit und stelle dir die Frage: „Will ich wirklich nicht mehr studieren?“ Aber das weißt du in der Regel. Du denkst nur oft, dass du es nicht weißt. Wenn alles klar ist: Einfach machen. Sofort loslegen und nicht sagen „Ich schau dann mal“, sondern ab ins Internet und ans Telefon für Informationen. Ich bin auch zur Beratung ins Arbeitsamt und habe mit der Handelskammer telefoniert.“

Ben: „Dem kann ich mich nur anschließen. Du musst dir auch einfach eingestehen, dass du vielleicht nicht für das Studium geschaffen bist.“

 

Du interessierst dich für die Ausbildung zum Schifffahrtskaufmann?

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Zwischen 0 und 1 ist viel Platz: „neue fische“ hilft beim shift in digitale Berufe

Dalia Das lernte in den USA das Format der Technology Bootcamps kennen und schätzen. Sie bilden Quereinsteiger erfolgreich zu stark nachgefragten Web Developern und Data Scientists aus. Kurzerhand gründete sie in Deutschland das Unternehmen „neuefische – School and Pool for Digital Talent“.

 

Das erfährst du hier:

  • Wie hat Dalia Technology Bootcamps nach Deutschland gebracht?
  • Was genau bietet neuefische an?
  • Wie funktionieren die Trainings von neuefische?
  • Wer kann teilnehmen?
  • Wie werden die Teilnehmer/innen ausgewählt?
  • Und was ist mit Geld?

 

Wie hast du es geschafft, Technology Bootcamps nach Deutschland zu bringen?

In Deutschland fehlen Fachkräfte für digitale Berufe wie Entwickler/innen und Data Scientists. Das wusste ich aus vielen Gesprächen mit Personalverantwortlichen und Geschäftsführenden. 124.000 sind es 2019 laut dem Verband BITKOM gewesen. 150 Tage dauert es oftmals um eine der Stellen zu besetzen. Und ganz oft habe ich den Satz gehört: „Ob die Bewerber/innen ein abgeschlossenes Studium haben oder nicht, ist uns gleich – wenn sie denn trotzdem ihre Fähigkeiten demonstrieren können.“ Das ist für Studienaussteiger/innen natürlich schwierig. Da kann man erst einmal nur zeigen, was man nicht mehr wollte oder was man nicht konnte – im Gegenzug aber nicht beweisen, was man denn kann. Darum war meine nächste Frage an die Unternehmen: „Was müssen Quereinsteiger/innen oder Umsteiger/innen denn können, damit ihr ein gutes Gefühl bei den Bewerbungen habt?“ Im Grunde ging es mir darum abzuklären, ob deutsche Arbeitgeber/innen schon bereit sind für Formate wie die Technology Bootcamps. Deutschland. Und es hat sich gezeigt: Ja, das geht auch hier – wenn sich das Intensivtraining eng an der späteren beruflichen Praxis orientiert. Darum vermitteln wir bei neuefische jetzt genau das Handwerkszeug, was die Kursteilnehmer/innen für den Einstieg in den neuen Job brauchen.

 

Was genau bietet ihr bei neuefische an?

Zurzeit gibt es zwei Programme: das Training zum/zur Web-Entwickler/in und zum Data Scientist. Die Weiterbildung zum Webdeveloper legt den Schwerpunkt auf JavaScript als Programmiersprache und das von Facebook ins Leben gerufene Framework React. Das Endprodukt des Boot Camps ist dann eine App, die funktionieren muss und auch wirklich zum Einsatz kommt. Das ist auch ganz spannend für diejenigen Umsteiger/innen, die sich eigentlich nicht für besonders technikaffin halten. Ganz neue gibt es ein Bootcamp für die Programmiersprache Java, die im Markt ebenfalls sehr nachgefragt ist. Web- und Softwareentwickler gelten als Mangelberufe, und sind sogar bei der Agentur für Arbeit als solche gelistet.

 

Außerdem gibt es bei uns die Weiterbildung zum Data Scientist. Da geht es darum, große Datenmengen so ergiebig wie möglich zu verarbeiten und mit Hilfe von Machine Learning konkrete Vorhersagen zu treffen. Dieses Training eignet sich zum Beispiel für Menschen mit einem Studienhintergrund in den Natur- oder Ingenieurswissenschaften – auch für diejenigen, die zum Beispiel schon sehr lange Naturwissenschaften studieren, aber irgendwie den Abschluss nicht hinbekommen und aufgeben. Die sind häufig absolut ausreichen qualifiziert um in unser Programm einzusteigen – und danach auch in den Job. In beiden Programmen lernt man neben den fachspezifischen Themen auch den Umgang mit modernen Managementmethoden und Tools, die das Zusammenarbeiten und das Versionieren leichter machen.

 

Wie baut ihr die Trainings bei neuefische auf?

Ganz wichtig finde ich, dass wir sehr nah an den tatsächlichen Anforderungen an die Zielberufe ausbilden. Im Grunde bilden die Kursinhalte die ganz handfesten Kenntnisse ab, die in den Stellenausschreibungen abgefragt werden. Dazu gehören etwa bestimmte Programmiersprachen oder Arbeitsweisen. Unsere Absolvent/innen passen dann einfach eins zu eins auf so eine Stellenbeschreibung. Darum ist auch der Praxisanteil bei unseren Trainings sehr hoch. Dabei arbeiten die Kursteilnehmer/innen im Pair Programming, einer Arbeitsweise, die auch im Job später so stattfindet. Wir legen besonderen Wert auf sichtbare Ergebnisse, am Ende der Lerneinheiten steht ein schnelles Erfolgserlebnis – so was fehlt natürlich im Studium erst mal. Außerdem arbeiten die Teilnehmer/innen drei Monate wirklich intensiv in einer überschaubaren Gruppengröße, das bedeutet konkret: acht bis neun Stunden am Tag in einen festen Klassenverband von etwa 15 Leuten. Das kommt vor allem denjenigen entgegen, die so viel Energie in die Selbstorganisation an der Hochschule stecken mussten, dass sie am Ende deswegen aus dem Studium ausgestiegen sind. Zum Schluss erstellen alle Teilnehmer/innen ihr „digitales Gesellenstück“: Bei den Web Developern ist es die App, bei den Data Scientists verbergen sich hinter Namen wie BäckerAI, FC Python oder Översetter spannende Anwendungen, die mit Hilfe von Machine Learning Methoden und neuronalen Netzen komplexe Fragestellungen beantworten helfen.

 

Für wen eignen sich die Trainings von neuefische?

Viele Teilnehmer/innen kommen natürlich aus den Naturwissenschaften, etwa wenn sie nach zwei, drei Semestern feststellen: Das ist doch nichts für mich. Aber es gibt auch Aussteiger/innen aus Geisteswissenschaften wie sprach- und kulturwissenschaftlichen Studiengängen. Als Sprachwissenschaftler/in zum Beispiel ist man durchaus affin für Programmiersprachen – das wird einem meistens nur nicht so erklärt. Die meisten hören immer, dass man fürs Programmieren Mathematik braucht. Das braucht man aber gar nicht, ein gutes Sprachverständnis hilft da schon viel mehr. Bei uns sind schon Aussteiger/innen aus Fächern wie Anglistik oder Europawissenschaften in den Kursen supergut geworden und dann anschließend auch schnell in einen entsprechenden Job eingestiegen. Und dann kommen noch die Umsteiger/innen dazu, die schon erste Berufserfahrung haben. Das ergibt insgesamt eine spannende Mischung, auch von der Altersstruktur und vom sozialen Gefüge her. Zurzeit etwa haben wir drei Mütter dabei. In so einer Konstellation sitzt man ja sonst nicht unbedingt beim den Einstieg in die digitale Arbeitswelt zusammen.

 

Wie wählt ihr die Teilnehmer/innen aus?

Wir haben ein dreistufiges Auswahlverfahren: zwei Interviews und eine moderierte Übung. Da geht es uns aber nicht um Noten oder Abschlüsse, wir schauen vielmehr auch auf die richtige Motivation, auf Kommunikationsfähigkeit und Teamgeist. Und wir versuchen zu verstehen, woran das Studium gescheitert ist. Was war da schwierig? Glauben wir, dass wir das bei neuefische besser machen können? Dazu gehören solche Dinge wie Größe der Gruppe, enge Betreuung, übersichtliche Organisation. Auf jeden Fall wollen wir so ein bisschen den „Zug zum Tor“ erkennen können, sprich: Sind die Bewerber/innen wirklich motiviert? Wer noch gar nicht mit dem Thema Programmierung in Berührung gekommen ist, dem geben wir nach dem ersten Gespräch ein paar frei verfügbare Ressourcen mit, um sich selbst in das Thema Programmierung einzufinden und herauszufinden, ob das wirklich etwas für sie ist. Das fragen wir dann in einer zweiten Runde, nachdem sie sich ein bisschen vorbereiten konnten, ab. Dabei ist natürlich auch der Spaßfaktor ganz wichtig. Bei den Data Scientists legen wir noch etwas mehr Wert auf das Programmieren in der moderierten Übung und setzen Vorkenntnisse in Statistik voraus, der Kurs ist insgesamt einfach komplexer.

 

Wie kann man die Boot Camps finanzieren?

Die Trainings kosten ca. 8000 Euro für die drei Monate, das umfasst auch ein Laptop, das wir für die Dauer des Kurses stellen. Grundsätzlich sind wir ein privater Anbieter, die Teilnehmer/innen müssen die Kosten also selbst tragen. Besonders beliebt ist aber unser Späterzahlmodell. Dabei gehen wir erst einmal für die Teilnehmer/innen ins finanzielle Risiko – übrigens ein Grund, warum uns das Auswahlverfahren so wichtig ist. Die Teilnehmer/innen müssen erst ein Jahr, nachdem sie im Job sind, mit der Rückzahlung der Kursgebühr beginnen. Die meisten finden innerhalb der ersten drei Monate einen Job; statistisch gesehen stehen nach sechs Monaten nach Abschluss 92 Prozent unserer Absolvent/innen schon im Beruf. Die Raten passen sich dem Einkommen an und nehmen auch auf Pausen Rücksicht, etwa bei Elternzeit oder wenn doch noch mal eine längere Auszeit ansteht. Dann setzt die Zahlungsverpflichtung für diese Zeit aus. Man kann natürlich auch selbst und sofort zu zahlen – oft sind es auch die Eltern oder Großeltern der Teilnehmer, die den Wunsch zur Weiterbildung zum Webdeveloper oder die Weiterbildung zum Data Scientist finanziell unterstützen. „Eine dritte Möglichkeit gibt es auch noch: Unter bestimmten Umständen können sich auch Studienaussteiger/innen die Intensivtrainings über einen Bildungsgutschein die finanzieren. Wir haben uns entsprechend zertifizieren lassen. Studienaussteiger/innen sollten sich daher zumindest mal bei ihren Betreuer/innen des Jobcenters informieren, ob die Kursgebühr tatsächlich auch über einen solchen Bildungsgutschein abgedeckt werden kann.

 

Du möchtest mehr über das Angebot von „neuefische“ wissen?

Aber gern: https://neuefische.de/

 

Du möchtest mehr über die Gründerin Dalia Das und ihren Berufsweg erfahren?

Hier findest du Teil 1 unseres Interviews mit Dalia!

Bewerben mit Studienausstieg

Eigentlich kennt der Bauch längst die Wahrheit: Die Entscheidung fürs Studium stimmte doch nicht. Von der ersten Ahnung bis zum tatkräftigen Studienausstieg und einer Bewerbung auf einen Ausbildungsplatz dauert es oft jedoch quälend lang. Einer der Gründe: „Damit kann ich mich doch unmöglich bewerben!“ Olga Demant, Ausbildungsverantwortliche bei der Bosch Sicherheitssysteme GmbH, sieht das anders.

 

Was denken Sie als Ausbildungsverantwortliche über die Chancen von Bewerber/innen, die aus ihrem Studium ausgestiegen sind?

Ich bin der Meinung, dass Arbeit Spaß machen sollte. Wenn man beim Studieren wirklich feststellt „Das ist nicht das Richtige für mich“ – dann ist es doch die beste Entscheidung, damit aufzuhören. Ein Beruf, mit dem man sein Leben lang unglücklich ist, nutzt niemandem.

Meine Kollegen und ich haben uns zudem intensiv mit der aktuellen Situation am Arbeitsmarkt und den Bewerber/innen auseinandergesetzt. Die Bewerber/innen mit Studienausstieg gehören zur Generation Z. Die Menschen dieser Generation gehen insgesamt risikofreudiger ans Leben heran, sie sind bereit, auch mal Fehler zu machen oder Umwege zu gehen. Der perfekte Lebenslauf spielt für sie keine so große Rolle mehr.

Dazu muss man sagen: Die Rahmenbedingungen erlauben das auch. Wir haben ja zurzeit einen Bewerber/innenmarkt, sodass die Unternehmen sich verstärkt um Auszubildende bemühen müssen. Das wird zukünftig auch eher noch zunehmen.

 

Gibt es trotz Bewerber/innenmarkt „typische“ Überlegungen in Personalabteilungen oder Fragen an Studienaussteiger/innen, die sich bewerben? Und wie können diese damit umgehen?

Einen Studienausstieg sehe ich erst einmal nicht als Fehler, sondern als Chance. Wichtig ist mir nur, dass Betroffene ihre Entscheidung reflektieren und für sich bewerten. Sie sollten sich fragen: Wieso passiert mir das? Was lerne ich daraus? Natürlich werden Ausbildungsunternehmen auch fragen: „Warum haben Sie Ihr Studium nicht beendet?“ Auf solche Fragen sollten die Studienausteiger/innen schon vorbereitet sein. Je reflektierter Bewerber/innen darauf antworten können, desto ehrlicher kommt das meiner Erfahrung nach auch rüber.

 

Studien zufolge nennen Studienaussteiger/innen als einen der häufigsten Gründe Leistungsprobleme. Was können Sie aus Sicht einer Personalverantwortlichen Betroffenen mit auf den Weg geben?

Natürlich hört kein/e Personalverantwortliche/r den Satz „Ich komme mit Leistungsdruck nicht klar“ gern. Man kann aber offen im Gespräch darauf hinweisen, dass man im Laufe des Studiums festgestellt hat: Das Fach, ein Studium und die damit verbundenen Berufsaussichten passen nicht zu mir.

 

Was sollten Studienaussteiger/innen Ihrer Erfahrung nach auf jeden Fall vermeiden?

Sie sollten unbedingt irgendwie dafür sorgen, dass sie einen Abschluss bekommen. Das Berufsleben ändert sich zwar. Gerade hier in Deutschland fragen aber viele Arbeitgeber nach Abschlüssen. Es ist bei allen Bewerbungen einfach von Vorteil, wen man nicht als ungelernt dasteht.

 

Wann ist denn eigentlich der beste Zeitpunkt für Studienaussteiger/innen, sich zu bewerben?

Ich beobachte, dass Bewerbungen überwiegend erst spät, so im April und Mai, bei mir ankommen. Personalverantwortliche planen jedoch anders. Zu dem Zeitpunkt bin ich froh, wenn ich meine Ausbildungsplätze schon besetzt habe. Wenn ich einen Wunsch äußern dürfte: Ich würde Studienaussteigenden raten, sich eher im Herbst und Winter zu bewerben. Wenn noch nicht ganz sicher ist, ob man wirklich aus dem Studium aussteigt, aber vielleicht schon einen Ausbildungsberuf im Blick hat: Trotzdem schon mal bewerben!

 

Du interessierst dich für eine Ausbildung bei Bosch Sicherheitssysteme GmbH?

Lies dazu auch die Geschichte von Simon Unverfärth.

 

Infos zur Ausbildung und Bewerbung findest du auch hier

https://www.bosch.de/karriere/

Erfolgreich ausgestiegen

Thore Jacobsen begeistert sich für Technik – und für das Unterrichten. Ein Lehramtsstudium mit der Fächerkombi Physik, Mathematik und Informatik schien das Richtige zu sein. Eine Zukunft als Lehrer konnte Thore sich im Laufe des Lehramtsstudiums jedoch immer weniger vorstellen. Mit seiner Ausbildung zum Fachinformatiker für Systemintegration beim IT-Trainingsdienstleister Fast Lane fühlt Thore sich nun am richtigen Platz. „Ich bin erfolgreich ausgestiegen“, sagt er über sich selbst.

 

Auf Umwegen ins Lehramtsstudium

Bevor Thore sich für das Lehramtsstudium entscheidet, hat er bereits einiges an Erfahrung gesammelt. Sein erster Abschluss als Sporttrainer und -journalist, den er in Norwegen im Rahmen einer Ausbildung erwirbt, ist in Deutschland nicht anerkannt – Thore muss sich zum ersten Mal neu orientieren. Sein Interesse für IT führt ihn an die FH Wedel; die Studienordnung führt nach der letzten Matheklausur zur Exmatrikulation. Thore kann dennoch – „als Ungelernter“, wie er sich damals beschreibt – als IT-Mitarbeiter in einer Firma anfangen. Seine Vorgesetzten schätzen seine Arbeit und bieten ihm einen Ausbildungsplatz an. Bevor es dazu kommt, wird das Unternehmen jedoch wegrationalisiert. Thore nutzt die Situation für den Einstieg ins Lehramtsstudium. „Auf der einen Seite, war es mir wichtig das zu tun, worauf ich Lust habe. Unterrichten macht mir Spaß und technische Fächer liegen mir einfach. Andererseits war es auch schon so, dass meine Mutter mich sehr in dieser Entscheidung bestärkt hat. Beides zusammen führte dann dazu, dass ich mir gesagt habe: OK, dann möchte ich Lehrer werden“, beschreibt Thore die Gründe für diese Entscheidung.

 

IT und Erwachsenenbildung

Im Studienalltag kommen Thore Zweifel an seinem Berufsziel. Er erkennt: „Das Schulsystem ist mir zu dogmatisch. Ich wünsche mir mehr Freiheit für meinen Unterricht, je nach Schulart muss ich mich aber nach starren Vorgaben richten.“ Die Entscheidung, aus dem Studium wieder auszusteigen, trifft er zügig. Leicht fällt sie ihm dennoch nicht. Das liegt vor allem an den Erwartungen der Familie. „Meine Mutter wäre sehr gern Lehrerin geworden, durfte aber nie studieren. Darum war es für mich sehr schwer, diesen Schritt verständlich zu machen.“ Geholfen hat ihm die eigene Klarheit: „Ich ziehe lieber einen Schlussstrich. Und zwar jetzt.“ Nach dem Studienausstieg ist es Thore wichtig, eine Ausbildung zu absolvieren: „Ich wollte in die Praxis und arbeiten.“ Er knüpft an seine Erfahrung im IT-Bereich an und bewirbt sich – auch bei Fast Lane in Hamburg-Bahrenfeld. Ein Probepraktikum verschafft ihm die Gewissheit, bei dem Unternehmen an der richtigen Stelle zu sein – und alle seine Talente zu nutzen. „Fast Lane ist ein IT-Schulungsunternehmen. Ich kann während der Ausbildung bereits diverse Zertifikate erwerben“, erläutert Thore. Dies würde ihm auch die Möglichkeit geben, ggf. in Zukunft als Trainer zu arbeiten. „Für mich ist das die offene Tür zurück in die Bildung – dann aber mit Erwachsenen und nicht ausgerichtet an den Erwartungen von Eltern oder den Anforderungen einer bestimmten Schulform.“

 

Ausbildung mit Eigenverantwortung

Bis dahin übernimmt Thore als Auszubildender die technische Vorbereitung für das deutschlandweite Kursaufkommen der Fast Lane. Hierbei unterstützt er Trainer/innen und Teilnehmer/innen, verkabelt Netzwerke neu, strukturiert Serverräume um und managt mit anderen Auszubildenden Inhouse-Projekte für Fast Lane, von der Planung bis zur Umsetzung. Neben den Zertifizierungskursen, die er im Rahmen seiner Ausbildung kostenfrei absolvieren kann, besucht er die Unterrichtsblöcke der Berufsschule. „Die Ausbildung lässt uns viel Spielraum für selbstverantwortliches Arbeiten“, so Thore. Das genießt er. Sein Tipp für Menschen, die starke Zweifel an ihrem Studium haben: „Verschaff dir Gewissheit, was du willst, und geh deinen Weg – je früher, desto besser. In jüngeren Jahren hat man einfach noch mehr Möglichkeiten, sich auszuprobieren. Und es ist wirklich keine Schande, das Studium abzubrechen!“

 

Hoch hinaus statt Hörsaal

Simon Unverfärth geht manchmal unter die Decke: Seit er sein Mathestudium gegen eine Ausbildung zum Elektroniker für Informations- und Systemtechnik getauscht hat, gehört die Installation von Videoanlagen, Brandmeldern und anderen Sensoren auch an unzugänglichen Orten zu seinem Alltag. Heute ist er überzeugt: „Es ist keine Schande, aus dem Studium auszusteigen.“

 

Aus Überzeugung und Erwartung

Zahlen so lange zu bearbeiten, bis das Ergebnis stimmt – auch aus dieser Faszination heraus entschied sich Simon Unverfärth nach dem Abi für das Mathestudium. Allerdings spielten auch die Erwartungen im privaten Umfeld eine wichtige Rolle: „Wenn man Abi gemacht hat, dann studiert man auch“, beschreibt Unverfärth die Haltung von Freunden, Familie und sich selbst. Mathematik hatte er in der Schule als Leistungskurs belegt, eine Gastvorlesung an der Uni schien zu bestätigen: Ein Mathestudium passt zu ihm. Die ersten drei Semester genießt Unverfärth sein Studium. „Ich fand es toll, endlich auch zu sehen, woher die Formeln kommen.“ Neue Leute kennenzulernen und allein zu wohnen gehören ebenfalls zu den erfreulichen neuen Erfahrungen.

 

Zu theoretisch hier

Nach und nach schleichen sich erste Zweifel am Studium an. Unverfärth erzählt: „Mathematik wird im Laufe des Studiums immer theoretischer und abstrakter. So etwa im vierten, fünften Semesters merkte ich dann: Verflixt, ich hab’ seit einem halben Jahr keine Zahlen mehr gesehen!“ Sich durch komplexe mathematische Beweise zu wühlen, erlebe Unverfärth zunehmend als Frust: „Ich saß stundenlang davor und habe das einfach nicht mehr in meinem Kopf bekommen.“ Ihm dämmert, dass da etwas ganz und gar nicht mehr stimmt. „Eigentlich bin ich ein sehr glücklicher und offener Mensch. Vor meiner Entscheidung, aus dem Studium auszusteigen, habe ich mich aber sehr zurückgezogen.“

Das bemerken auch seine Freunde. „Was machst du da eigentlich?“ fragen sie Unverfärth unverblümt. Diese Offenheit hilft ihm bei der Entscheidung, aus dem Studium auszusteigen. Leicht fällt sie ihm dennoch nicht. „Ich mag das Fach ja eigentlich, obwohl es mir zuletzt gar keinen Spaß mehr gemacht hat.“ Letzten Endes überzeugt für Unverfärth die Aussicht auf einen Neustart: „Ich bin ja noch relativ jung. Dann lieber jetzt etwas Neues anfangen als das Studium durchziehen und später mit Dreißig zu denken: Das war ja wohl nichts.“

 

Ausbildung mit Hand- und Kopfarbeit

Ganz verschwinden sollen Zahlen und Berechnungen aus Unverfärths Berufsleben jedoch nicht. Auf der Suche nach einem passenden Ausbildungsplatz stößt er auf die Anzeige der Bosch Sicherheitssysteme GmbH. „Die beschriebene Ausbildung enthielt eigentlich alles, was ich mir gewünscht habe“, so Unverfärth. Er schickt seine Bewerbung, wird eingeladen – und genommen. Seitdem kann er mit den Händen arbeiten und die Ergebnisse seiner Arbeit direkt sehen, auch wenn es „mitunter schon Pfriemelarbeit ist, kleinteilige Verkabelungen anzulegen.“ Die Ausbildung zum Elektroniker für Informations- und Systemtechnik umfasst Anlagen zur Brandmeldekontrolle, Einbruchskontrolle, Videoüberwachung und Zutrittskontrolle. „Wir bauen diese Anlagen zusammen und nehmen sie in Betrieb“, schildert Unverfärth. Kopfarbeit kommt aber auch nicht zu kurz. „Wir müssen jede Anlage an die Kundenwünsche anpassen und entsprechend einstellen. Damit das funktioniert, überlegen wir uns, wie wir die Anlagen programmieren und verschalten müssen.“

 

Sicherheit mit Perspektive

Unverfärths Ausbildung umfasst neben der Praxis vor Ort (dafür fahren die Azubis mit erfahrenen Techniker/innen direkt zum Kunden) noch Berufsschule und zusätzlich Schulungen, die die Bosch Sicherheitssysteme GmbH ihren Auszubildenden anbietet. „Wir lernen zum einen die Bosch-Anlagen genau kennen. Zum anderen trainieren wir auch solche Dinge wie Kundenkommunikation“, beschreibt Unverfärth die Vorteile der internen Schulungen. Seiner beruflichen Zukunft sieht der ehemalige Mathestudent zuversichtlich entgegen. „Die Chancen stehen gut, dass Bosch mich nach der Ausbildung übernimmt – Fachkräfte in meinem Bereich sind gesucht.“ Für berufliche Entwicklung bietet die Ausbildung ebenfalls Luft nach oben. Unverfärth plant, per Abendschule noch einen Abschluss als Techniker dranzuhängen. Das ermöglicht Aufstiegschancen im Berufsleben. Spezialisieren möchte er sich außerdem: „Am meisten interessieren mich die Bereiche Video- und Zutrittskontrolle.“

 

Du interessierst dich für eine Ausbildung als Elektroniker/in für Informations- und Systemtechnik?

Das solltest du mitbringen:

  • technisches Interesse
  • handwerkliches Geschick
  • keine Höhenangst – es geht beim Installieren mitunter auf Leitern und unters Dach
  • Reisefreude – die Berufsschule liegt zentral in Essen, die Bosch-Schulungszentren in Bochum und München

 

Mehr Informationen zur Ausbildung bei der Bosch Sicherheitssysteme GmbH

https://www.bosch.de/karriere/