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Forschen, dokumentieren, auswerten: Als biologisch-technische Assistenz (BTA) ist Saskia Stoltze (24) in der Welt der Wissenschaft zu Hause. Und das obwohl sie aus ihrem Studium ausstieg. Warum sie diese Entscheidung traf und welche Erfahrungen sie mit dem Wechsel in die Berufsausbildung gemacht hat, erzählt Saskia im shift Interview.

shift: Du hast zunächst Molecular Life Science an der Universität Lübeck studiert. Wie lange warst Du dort?

Saskia Stoltze: Ich habe im zweiten Semester aufgehört. Da ich im Abitur kein Chemie und keine Physik als Schwerpunktfächer hatte, war das Studium für mich sehr anspruchsvoll. Das hätte ich wohl maximal bis zum Bachelor durchziehen können. Für gute Jobaussichten hätte dieser Abschluss aber nicht ausgereicht, darum habe ich mich schnell umorientiert.

Hast Du Dich bereits während des Studiums bereits nach etwas Neuem umgesehen?

Nein, ich bin ausgestiegen und hing dann zunächst ein wenig in der Luft. Dann habe ich die „Junge Messe“ in Norderstedt besucht, auf der Unternehmen mögliche Berufs- und Ausbildungsfelder vorstellen. Herr Dr. Zschenker, Schulleiter der School of Life Science Berufsfachschule Hamburg, hat mir dort von der Ausbildung zur biologisch-technischen Assistenz (BTA) erzählt. Ich wollte immer gerne in die Wissenschaft und die Forschung. Ich hätte aber nicht gedacht, dass es dorthin einen Weg ohne Studium gibt.

Warum hattest Du Dich anfangs überhaupt für ein Studium entschieden?

Mein damaliger Freund war schon in Lübeck an der Fachhochschule. Daher habe ich erst die Universität gesucht und dann das dazu passende Studium, wenn man so will. Außerdem war mein Abitur ganz gut: Mit dem entsprechenden Zeugnis dachte ich, ich müsse auf jeden Fall studieren und bekam dies auch ständig von meinen Lehrern zu hören. Das Studium mit Bezug zu Chemie, Biologie und Forschung verband all meine Interessen, darum habe ich mich kurzerhand eingeschrieben. Ich dachte mir: Wenn so viele Menschen studieren, dann kann das ja nicht so schwer sein.

Die Messe war für Dich also der Beratungsweg, der Dich in die Ausbildung gebracht hat, oder hast Du noch ein weiteres Angebot wahrgenommen?

Ich habe einen Probetag an der School of Life Science gemacht. Dort hatte ich vormittags Mikrobiologie im Labor und nachmittags Biochemie als reguläre Unterrichtsstunde. Durch meine beiden Studiensemester konnte ich mich sofort gut einbringen. Das hat mir so gut gefallen, dass ich mich für die Ausbildung dort entschieden habe.

Konntest Du direkt anfangen oder hast Du Dich noch einmal gesondert bewerben müssen?

Da gerade eine Klasse angefangen hatte und bereits erste Klausuren geschrieben wurden, bin ich erst im Jahr darauf eingestiegen. Hierfür habe ich eine Bewerbung geschrieben, in der ich natürlich auf den Probetag hingewiesen habe. Ich hatte dann noch ein Bewerbungsgespräch, in dem es um grundsätzliche Fragen ging, zum Beispiel wie ich zu Tierversuchen stehe. Anschließend konnte ich direkt den Vertrag unterschreiben.

Wie lange läuft die Ausbildung und wie ist diese aufgebaut?

Es ist eine zweijährige Ausbildung, aufgeteilt in Schule und Praktika. Zwischendurch geht es immer wieder ins Schullabor. Die einjährige Praktikumsphase schließt unmittelbar an die schulische Phase an.

Eines Deiner Praktika war im Ausland, wo genau hast Du das gemacht?

Das war von Januar bis April 2017 auf Teneriffa, in der Pathologie der dortigen Uniklinik. Die Unterkunft wurde von der Schule gestellt und bezahlt.

Die School of Life Science Berufsfachschule Hamburg ist eine Privatschule, wie hast Du die Gebühren von monatlich 200 Euro finanziert?

Meine Eltern haben mich zum Glück unterstützt.

Nachdem Du Deine Ausbildung abgeschlossen hattest, bekamst Du direkt einen Vollzeitjob?

Ja, sogar unbefristet! Ich kann zwar nur für meine Klasse sprechen, aber alle, die von uns als BTA arbeiten wollten, haben auch einen Job bekommen. Oftmals hat sich das schon durch die Praktika ergeben, denn die Labore suchen dringend Nachwuchs und bieten den Schülern und Schülerinnen häufig direkt einen Vertrag an. Ich arbeite nun im Labor bei Evotec , einem großen Biotechnologieunternehmen. Wir sind dort ein sehr junges Team und die Arbeit dort macht mir sehr viel Spaß.

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten hast Du in Deinem Job?

Ich bin jetzt noch nicht so lange dort, aber es gibt tolle Förderprogramme. Mein langfristiges Ziel ist es, ein eigenes Projekt zu bekommen. Zunächst bin ich aber erstmal froh, dass ich mein eigenes Geld verdiene. Was in ein paar Jahren kommt, werden wir sehen!

Liebe Saskia, vielen Dank für das Gespräch!

Foto: Stefanie Thiele

Berufsbild Biologisch-technische/r Assistent/in Zurück